„…wie Schafe mitten unter die Wölfe“
Bericht vom 20. Februar 2026
Beobachtungen von Peter Wittkampf zu Papst Leo und Bischof Kaiser
Der jeweilige Papst ist immer zugleich auch Bischof von Rom. Als solcher hielt Papst Leo XIV. am 15. Februar 2026 die Sonntagsmesse in der römischen Pfarrkirche Maria Regina Pacis in Ostia-Lido. Die Gegend gilt als sozialer Brennpunkt. Kriminalität, Bandenunwesen, Gewalt, Drogen usw. sind dort nichts Ungewöhnliches. Der Papst sagte in seiner Predigt: „… so sollten wir uns doch daran erinnern, dass das Böse, das wir in der Welt sehen, genau dort seine Wurzeln hat, wo das Herz kalt und hart wird, keine Barmherzigkeit mehr kennt. Das erlebt man auch hier in Ostia, wo leider ebenfalls Gewalt herrscht, die verletzt und um sich greift – bisweilen unter jungen Menschen und Jugendlichen, vielleicht angeheizt durch den Konsum von Drogen, oder durch kriminelle Organisationen, die Menschen ausbeuten, indem sie sie in ihre Verbrechen verwickeln, und mit illegalen und unmoralischen Methoden unlautere Interessen verfolgen. Angesichts dieser Phänomene lade ich euch alle als Pfarrgemeinde ein – vereint mit den anderen positiven und engagierten Kräften, die in diesen Vierteln wirken –, euch auch weiter großzügig und mutig dafür einzusetzen, dass auf euren Straßen und in euren Häusern der gute Same des Evangeliums ausgesät wird. (…) Ja, möge man in der Pfarrei Ehrlichkeit, Offenheit und eine Liebe lernen, die Grenzen überwindet; (…) lernen, Glauben und Leben in Einklang zu bringen, wie Jesus uns lehrt (…). Möge dies, liebe Brüder und Schwestern, das Ziel eurer Bemühungen und eurer Aktivitäten sein – zum Wohl derer, die nah und fern sind –, damit auch diejenigen, die Sklaven des Bösen sind, durch euch dem Gott der Liebe begegnen können: dem einzigen, der das Herz befreit und wirklich glücklich macht. (…)“
Fühlt man sich da nicht ein wenig an den Satz Christi erinnert: „Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe“ (Mt 10,16)? Und genau diesen Satz lesen wir auch in dem Buch „Der Ruf aus den Anden“ von Friedrich Kaiser von 1988, als es um einen Ort namens Progreso (S. 87 ff) und das Dorf Coyllurqui (S. 104) geht, wo die „Misioneras“, die Seelsorgeschwestern von Caraveli, in den 1970er Jahren auf massive Probleme stießen in Bezug auf Verbrechen, Bandenkriminalität, Viehdiebstähle, Morde usw. So etwas gehörte dort fast schon „zur Tagesordnung“. Einige Formulierungen in Bischof Kaisers Bericht seien hier (wörtlich!) wiedergegeben: „Organisierte Banden“, „auch Einzelpersonen machen diese Art Diebstahl zu ihrem Gewerbe“, „Die Banditen scheuen keineswegs den Mord. Er gehört zu ihrem Handwerk.“ (S. 104) Aber die Schwestern bewirkten und bewirken mit ihrem Mut – und ganz sicher auch mit der „Kraft von oben“ (S. 98) – auch in solchen Milieus oft wahre Wunder. So besuchten sie z. B. einmal drei Mörder im Gefängnis. Diese „empfangen die Schwestern mit offensichtlicher Feindseligkeit. (…) Hasserfüllte Augen stieren sie an“, so heißt es in Bischof Kaisers Bericht. (S. 96) Aber nach einem etwa einstündigen Besuch ändert sich die Lage völlig. Die Verbrecher „sind offenbar von der Gnade gepackt.“ (S. 97) „Als die Schwestern gehen, danken alle drei. Einer sagt: `Schwester, das haben wir noch nie gehört…´ Seine Stimme stockt. Er weint. Nein, die Schwestern arbeiten nicht unter Wölfen, sondern unter unglücklichen Menschen. Nicht guter Wille fehlt ihnen, sondern Christus.“ (S. 97)
„… so sollten wir uns doch daran erinnern, dass das Böse, das wir in der Welt sehen, genau dort seine Wurzeln hat, wo das Herz kalt und hart wird, keine Barmherzigkeit mehr kennt“, so formulierte es Papst Leo XIV. vor wenigen Tagen, am 15. Februar 2026.
Zum Autor: Siehe Beitrag vom 4. Januar >>>
