Nahrung für das Leben und die Nächstenliebe
Beitrag vom 28. januar 2026
Eine Bildbetrachtung von Peter Wittkampf über Bischof Kaiser
Mit dem Pfingstereignis ist die Zusage Jesu verbunden: „Der Geist wird euch an alle erinnern, was ich euch gelehrt habe!“ Dies wird für gläubige Menschen immer dann spürbar, wenn wir mit Freude und Gewinn das Wort der Heiligen Schrift hören und verinnerlichen. In dem Buch „Sieben Ströme. Ein Quell“ über Bischof Kaiser und die Sakramente (Dülmen 2020, S. 15) befindet sich ein Foto mit der Bildunterschrift: „Bischof Kaiser überreicht einer Missionsschwester die Heilige Schrift.“ Zu diesem Bild und zu dieser Bildunterschrift hat Peter Wittkampf einige Gedanken zusammengetragen.
Wenn zwei Personen sich die Hand geben, ist das sicherlich gut. Sich aber die Hand zu „reichen“, das klingt feierlicher. Und schließlich gibt es noch das Wort „überreichen“. Das gebraucht man, wenn z.B. bei einem feierlichen Anlass jemand mit einem Blumenstrauß oder einer Urkunde geehrt wird. Wenn Bischof Kaiser, wie auf dem Foto zu sehen, die Heilige Schrift „überreicht“, weist das auf eine ziemlich große Bedeutung dieses Augenblicks hin. Und in der Tat: Die Geste des Bischofs scheint zu unterstreichen, wie wichtig für die Schwestern in ihrem Wirken die Heilige Schrift sein wird. Sie sollen ja bei den Andenbewohnern u. a. Religionsunterricht erteilen und – in Ermangelung von Priestern – predigen und „Wort-Gottes-Feiern“ abhalten! Hierbei muss die Heilige Schrift verständlich, aber auch treu und authentisch im Sinne Christi und der Kirche verkündet und erklärt werden!
In der Konzilskonstitution „DEI VERBUM“ vom 18. November 1965 heißt es unter der Nr. 21: „Die Kirche hat die Heiligen Schriften immer verehrt wie den Herrenleib selbst, weil sie, vor allem in der heiligen Liturgie, vom Tisch des Wortes Gottes wie des Leibes Christi ohne Unterlass das Brot des Lebens nimmt und den Gläubigen reicht. (…) Wie die christliche Religion selbst, so muss auch jede kirchliche Verkündigung ich von der Heiligen Schrift nähren und sich an ihr orientieren.“ Zu dem Vergleich der Heiligen Schrift mit der hl. Kommunion passt sehr schön, dass die Schwester auf dem Foto die Bibel offenbar im Knien empfängt – so wie es damals auch bei der hl. Kommunion üblich war.
Sowohl Bischof Kaiser als auch den Missionsschwestern war jedoch klar, dass in Bezug auf die Heilige Schrift deren bloße Kenntnis, mag diese auch noch so gut vermittelt werden, nicht reicht. Es muss auch eine starke Gottes- und Nächstenliebe hinzukommen, die die praktische Umsetzung prägt! Das gilt gerade auch in Regionen, in denen es den Menschen oftmals am Nötigsten fehlt. Dies müssen die Schwestern beherzigen, wenn sie glaubwürdig Zeugnis geben sollen, wollen und werden – von dem, was es heißt, wirklich „Christ“ zu sein.
Papst Leo XIV. ging in seiner Audienz-Katechese am 4. Februar 2026 auf die schon genannte Konzilskonstitution „DEI VERBUM“ ein. Er sagte u.a.: „In diesem Sinne dient die Heilige Schrift dazu, das Leben und die Nächstenliebe der Gläubigen zu nähren, wie der heilige Augustinus in Erinnerung ruft: `Wer also die ganzen heiligen Schriften (…) verstanden zu haben glaubt, dabei aber doch (…) jene Doppelliebe zu Gott und zum Mitmenschen nicht auf erbaut, der hat sie noch nicht verstanden.´“ Gleichzeitig wies aber der Papst darauf hin, dass dies nicht dazu führen dürfe, die Bibel bloß als „Hintergrund“ für ein fast ausschließlich soziales Engagement zu verstehen: „Der göttliche Ursprung der Heiligen Schrift erinnert uns auch daran, dass das Evangelium, das dem Zeugnis der Getauften anvertraut ist, zwar alle Dimensionen des Lebens und der Wirklichkeit umfasst, diese aber auch übersteigt: Es lässt sich nicht auf eine rein philanthropische oder soziale Botschaft reduzieren: Es ist vielmehr die freudige Verheißung des ewigen Lebens, des Lebens in Fülle, das Gott uns in Jesus geschenkt hat.“
Zum Autor: Siehe den Beitrag vom 4. Januar >>>
