2019
Pressebericht vom 20. Dezember 2053 ;-)
Impuls aus dem Rundbrief Nr. 241, Markus Trautmann
Jedes Jahr vor Weihnachten begegnet uns Johannes der Täufer, in diesem Jahr im Evangelium am zweiten und dritten Adventssonntag; und im neuen Jahr endet die Weihnachtszeit mit dem Fest der Taufe des Herrn. Johannes der Täufer ist so eine Art ständiger Begleiter durch die Wochen der Advents- und Weihnachtszeit. Jesus war von dem Eifer und der Aufrichtigkeit des Täufers überaus angetan; er nennt Johannes einmal „den Größten, der je von einer Frau geboren wurde“. Bei Johannes am Jordan lernt Jesus das Bußritual der Wassertaufe kennen; er selbst wird später seine Jünger beauftragen: „Geht zu allen Völkern; macht alle Menschen zu meinen Jüngern; lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe – und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!“ (Matthäus 28,19)
Bereits etliche Male hat Papst Franziskus die Gläubigen dazu aufgefordert, sich das Datum ihrer eigenen Taufe herauszusuchen und zu merken: „Kennt ihr das Datum eurer Taufe?“ Falls nicht, so der Papst, sollten sie jemanden fragen, der damals dabei war. „Denn das Datum eurer Taufe ist ein Tag großer Freude, an dem ihr geheiligt wurdet, an dem Gott euch seinen Geist geschenkt hat“, so Franziskus. Die Taufe sei kein Ereignis in der Vergangenheit, sondern wirke ein Leben lang. „Wenn wir unseren Geburtstag feiern, wie sollen wir dann den Wiedergeburts-Tag nicht feiern, oder uns zumindest daran erinnern?“, fragte Franziskus. Am Tauftag müsse man dem Herrn danken, „weil das eben der Tag ist, in dem Jesus in mich eingetreten ist, in dem der Heilige Geist in mich eingetreten ist.“ Wer den eigenen Tauftag vergesse, laufe Gefahr, all das zu vergessen, was Gott einem in der Taufe geschenkt habe. Vor allem das Geschenk des Heiligen Geistes, der es einem erst ermögliche, als Christ zu leben. „Es gelingt uns, in den Letzten und Armen das Gesicht des Herrn zu erkennen, der uns besucht und sich uns annähert.“
Auf ein Rendezvous mit einem Buch
Mittlerweile ist er über die Grenzen Dülmens hinaus bekannt, der Basar des Peru-Kreises St. Joseph. Und auch bei der fünften Auflage schafften es die zehn Frauen des Kreises erneut, den Markt noch attraktiver zu gestalten.
So öffnete wegen des großen Andrangs die Veranstaltung im Pfarrheim St. Joseph bereits eine Stunde früher als sonst. Im Literatur-Café konnten die Besucher frisch gebackene Waffeln genießen, und die Tische selbst mit den vielen selbst gebastelten Sachen waren gut gefüllt.
Zum ersten Mal mit dabei waren die Bewohner des Hauses Pia, einer Einrichtung der Alexianer für Demenzkranke. Sie hatten zum Beispiel schöne Bilderrahmen gebastelt und bemalt. Auch stellten sie aus einfachen Materialen Engel oder Kerzen her. Vertreten war auch der Eine-Welt-Laden, ebenso unterstützte die Frauengemeinschaft St. Joseph den Peru-Kreis.
Aber nicht nur adventliche oder weihnachtliche Dinge hatten die vielen freiwilligen Helfer angefertigt. Hübsche Tischdecken, selbst gestrickte Socken und vieles mehr standen zur Auswahl. Besonders bemerkenswert waren die großartigen Holzarbeiten, die Kerzen, die Etageren, Servietten und Glückwunschkarten - und alles selber gemacht und gespendet. So kann mit dem Verkaufserlös erneut die Arbeit der Caraveli-Schwestern im peruanischen Tablada de Lurin unterstützt werden.
Auch das Literatur-Café hatte sich etwas einfallen lassen. Es gab ein Blind Date mit einem Buch. Einige Bücher waren in Packpapier verpackt, ledig das Genre und eine kurze Inhaltsangabe waren lesbar - eine nette Idee, jemanden damit zu überraschen.
Ein besonderes Ereignis bot Petra Jasper mit ihren Klangschalen an. Sie verzauberte die Besucher bei einer mentalen, meditativen Reise nach Peru.
Bericht der Dülmener Zeitung, Ulla Böing
Wieder einmal wurde in Dülmen eine kleine Gedenktafel der Öffentlichkeit übergeben: Am Pfarrhaus von St. Joseph erinnert seit dem 3. Oktober ein Schild mit historischem Foto an einen Besuch Bischof Friedrich Kaisers in St. Joseph im Jahre 1967 bzw. an die damalige Begegnung mit Pfarrer Thewes. Damals war der aus Dülmen stammende Missionsbischof zum letzten Mal in Europa. Der damalige „Gründungspastor“ Peter Thewes, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, ist noch vielen Dülmenern in lebhafter Erinnerung. Bei der Enthüllung der Gedenktafel am Abend des 3. Oktober äußerten Werner Jostmeier und Josef Wichmann als Zeitzeugen ganz persönliche Erlebnisse mit Peter Thewes, der eine als damaliger Jugendlicher, der andere als damaliger Kaplan. „Es war die Zeit der großen Jugendliturgien in St. Joseph“, erinnert sich Werner Jostmeier rückblickend. Aber auch durch die Zeltlager und andere innovative Maßnahmen habe Pfarrer Thewes die jungen Leute in den Aufbau des Gemeindelebens eingebunden. Dies kann Josef Wichmann bestätigen: „Peter Thewes war zeitgemäß. Er wusste, man kann Probleme von heute nicht mit Methoden von gestern lösen.“ – Auch zwei peruanische Ordensfrauen aus der von Bischof Kaiser gegründeten Schwesterngemeinschaft nahmen an dem kleinen Festakt teil; zuvor waren sie den ganzen Tag mit dem Peru-Kreis auf dem Bürgerfest vor dem Rathaus.
Artikel aus dem Rundbrief Nr. 240, Markus Trautmann
„Caridad docente y penitente“ – dieser Schriftzug ziert die silbernen Broschen, die von den Schwestern der Ordensgemeinschaft, die Bischof Kaiser 1961 gründete, auf ihrem blauen Habit getragen werden. (Wir finden dieses „Erkennungszeichen“ auch auf der Titelzeile unseres Rundbriefes.) „Lehrende und sühnende Liebe“ – so lautet die deutsche Übersetzung der spanischen Worte. Sie nehmen Bezug auf den Namen der Gemeinschaft „Misioneras de Jesus Verbo y Victima“ bzw. auf den Wahlspruch von Bischof Kaiser „Verbum et victima“ – also auf deutsch „Wort und Opfer“.
Noch bevor Friedrich Kaiser 1961 seinen Missionsorden gründete, hatte er diese Begriffe aufgegriffen, als er sich 1958 als Leiter der Prälatur von Caraveli ein Wappen zulegte (das auch sein späteres Bischofswappen wurde). Das Wappen von Friedrich Kaiser zeigt in der Mitte ein Kreuz mit einem Herzen – Sinnbild der Herz-Jesu-Missionare: Sie verkünden, dass Jesus ein Herz für uns Menschen hat und für uns gestorben ist. Jesus hat zu den Menschen gesprochen: Dafür steht die Bibel auf einem weiteren Wappenfeld. Und das dritte Feld zeigt einen Kelch: In Wein und Brot teilt sich Jesus an uns aus und schenkt uns Gemeinschaft.
„Wort und Opfer“ – das war also für Friedrich Kaiser Programm. Zunächst ist es aus theologischer Sicht eine Aussage über Jesus Christus. Er ist das fleischgewordene „Wort“, in dem Gott sich ausspricht (vgl. Joh 1,1-2) und der Welt Zuspruch schenkt; zugleich ist der Herr in seiner Leidenschaft für seinen Vater und für uns Menschen am Kreuz das „Opfer“ geworden (vgl. Hebr 7,25-27), das in seiner Liebe alles Böse aufwiegt.
In den Spuren dieses Jesus wollte Friedrich Kaiser die Frohe Botschaft (Verbum) verkünden und mit ganzer Hingabe (Victima) für die Menschen da sein. In diesem Sinne heißt auch die von Kaiser 1961 gegründete Kongregation auf deutsch „Gemeinschaft vom lehrenden und sühnenden Heiland“ (bzw. auf spanisch „Misioneras de Jesus Verbo y Victima“). Denn das „Wort“ will durch konkrete Menschen weitergesagt und verkündet werden. Die Botschaft Jesu fällt nicht einfach vom Himmel, sondern will ausgesprochen und ins Leben „übersetzt“ werden. Dafür braucht es „Botschafter“, etwa in der Predigt und im Unterricht, im beratenden Gespräch oder im seelsorglichen Zuspruch, in der Katechese, im schriftlichen Apostolat. Aber auch das Bekenntnis zum „Opfer“ Jesu will immer neu mit Leben gefüllt werden. Somit heißt „Sühne“ nichts anderes als: der Gleichgültigkeit und dem Bösen einen umso größeren Einsatz an Zuwendung und Barmherzigkeit entgegenzuhalten – und mitzuwirken, dass Böses „wiedergutgemacht“ wird.
Das klingt vielleicht sehr abstrakt, wird aber durch die Missionsschwestern in Peru und ganz Südamerika sehr konkret und lebensnah seit fast 60 Jahren umgesetzt! Oder wie es Papst Franziskus 2018 in seinem Apostolischen Schreiben „Gaudete et Exsultate“ über den Ruf zur Heiligkeit sagt: „Das Vorbild vieler Priester, Ordensfrauen, Ordensmänner und Laien, die sich mit großer Treue hingeben, um zu verkünden und zu dienen – oftmals unter Einsatz ihres Lebens und gewiss auf Kosten ihrer Bequemlichkeit –, versetzten uns in Bewegung.“
Daher kann „Jesus Verbum et Victima“ (Jesus Wort und Opfer) oder „Caridad docente y penitente“ (lehrende und sühnende Liebe) auch weitergefasst übersetzt werden: Verkündigung und Hingabe; Zuspruch und Handeln; Verheißung und Konsequenz; Predigt und Passion; Rat und Tat; Ermunterung und Leidenschaft. Zwischen diesen Brennpunkten leben, so Papst Franziskus, die Heiligen, die uns „überraschen, verwirren, weil ihr Leben uns einlädt, aus der ruhigen und betäubenden Mittelmäßigkeit hinauszugehen.“
Friedrich Kaiser und Bernhard Poether
Eindrucksvoll die Fotos, die am 26. Juli im Priesterseminar St. Toribio in Lima entstanden: rd. 11.000 Dokumente über das Leben und Wirken von Bischof Friedrich Kaiser (1903-1993), die in rd. zehn Jahren zusammengetragen worden waren, waren jetzt in zahlreichen Dokumentenordnern bzw. Aktenbündeln versammelt, um endlich versiegelt und auf die Reise nach Rom geschickt zu werden. Es gehört zu den Aufgaben der diözesanen Phase eines Seligsprechungsverfahrens, möglichst alle relevanten Dokumente und Aufzeichnungen aus dem Leben eines für die Seligsprechung vorgeschlagenen Kandidaten zusammenzutragen, ebenso die dokumentierten Zeugenaussagen von befragten Menschen, die im persönlichen Kontakt zum künftigen Seligen standen. Ähnliche eindrucksvolle Bilder von gesammelten Unterlagen für eine Kanonisierung entstanden übrigens am 9. März im französischen Rouen zur Vorbereitung einer Seligsprechung des Märtyrers Jaques Hamel.
Interessant, dass Friedrich Kaiser selbst einmal "mit Brief und Siegel" eine längere Aussage über einen christlichen Glaubenszeugnis und Märtyrer zu Papier brachte - nämlich über Bernhard Poether (1906-1942). Der Kaplan des Bistums Münster, 1932 zum Priester geweiht, war wegen seines Engagements in der polnischsprachigen Seelsorge und wegen regimekritischer Äußerungen 1939 verhaftet und später nach Dachau gebracht worden, wo er mit 36 Jahren ums Leben kam. Seit 2008 bemüht sich ein "Arbeitskreis Bernhard Poether" um sein Andenken; 2017 hat die Kirchengemeinde St. Clemens in Münster Hiltrup ganz offiziell Bischof Dr. Felix Genn, Münster, um die Eröffnung eines Seligsprechungsverfahrens gebeten. Und genau aus seiner Hiltruper Zeit kannte Friedrich Kaiser seinen Amtsbruder persönlich, da nämlich Bernhard Poether in Hiltrup aufgewachsen war. "Während der ersten fünf Jahre nach ihrer Weihe hatten die Priester alljährlich im Seminar ein Repetitionsexamen abzulegen. Dann kam Bernhard regelmäßig eine Woche vorher nach Hiltrup zu seinem Elternhaus. Dort verbrachte er täglich vormittags wie nachmittags einige Stunden im Missionshaus. Er zog sich auf ein recht ruhig gelegenes Zimmer zurück, um sein Examen vorzubereiten."
Jahrzehnte später entdeckte Friedrich Kaiser im fernen Peru in der Ausgabe vom 21. September 1980 der münsterischen Bistumszeitung "Kirche und Leben" den Fragetitel "Wer erinnert sich noch an Kaplan Bernhard Poether?" Daraufhin verfasste er seine Erinnerungen, die zwei Seiten umfassen >. Sie werden heute als Kopie vom genannten Arbeitskreis in der "Dokumentation AK Poether" aufbewahrt. Mit großer Wertschätzung beschrieb der damals 77jährige seine Erinnerungen an den Märtyrer des NS-Regimes: "Jetzt, da ich all dies wieder überdenke und niederschreibe, kommt es mir vor, als blätterte ich in Märtyrerakten der Urkirche. Persönlich bin ich überzeugt: Hier haben wir Nachrichten über einen der vielen tausenden Heiligen unserer Märtyrerzeit."
Lieber Perukreis, liebe Wohltäter!
Mit großer Freude darf ich Sie grüßen. Endlich haben wir den Abschluss erreicht: Am 26. Juli schließt unser Erzbischof Carlos den Seligsprechungsprozess in der Diözesanphase. Schwester Trinidad wird ihren Eid ablegen, um die Dokumente nach Rom zu bringen, um sie der Kongregation für die Heiligsprechungen zu übergeben. Dort wird die ganze Dokumentation von einem neuen Postulator mit einem Relator weiter bearbeitet.
Wir danken Gott für Seine großen Wunder! Bitte möchten Sie diese Nachricht an alle liebe Bekannte Wohltäter weiter sagen?
Danke auch für Ihre Hilfe, Begleitung und Gebet.
Gottes Segen!! Wir bitten um Ihr weiteres Gebet!
Ihre dankbare,
Schw. M. Inmaculata, MJVV
Bericht über Bischof Friedrich Kaiser im "Blickpunkt Westmünsterland"
Was eine »Seligsprechung« ist, das ist vielen Menschen im Münsterland nicht ganz unbekannt – gab es doch in den vergangenen Jahren einige davon: Schwester Euthymia, Anna Katharina Emmerick, Bischof von Galen. »Selige« sind von der katholischen Kirche offiziell anerkannte Vorbilder des Glaubens und Fürsprecher bei Gott; sie werden in einer bestimmten Region der Welt durch Gebet und Gottesdienst verehrt. (Eine »Heiligsprechung« regelt dann ihre weltweite Verehrung.)
Nun gibt es einen weiteren Kandidaten für eine Seligsprechung »in der Pipeline«, wie man neudeutsch sagt: den aus Dülmen stammenden Missionsbischof Friedrich Kaiser (1903–1993). Im Sommer dieses Jahres wurde auf Verfügung des Vatikans in der peruanischen Hauptstadt Lima der Seligsprechungsprozess für Kaiser eröffnet. Warum im fernen Südamerika? Weil Friedrich Kaiser hier ab 1939 als Seelsorger wirkte, zunächst in der Metropole Lima, dann (ab 1958) bei den Indios in der Abgeschiedenheit der Anden.
104 Mädchen und Jungen der Dülmener Pfarrei St. Viktor, der Heimatgemeinde Friedrich Kaisers, haben in den letzten Wochen das Sakrament der heiligen Erstkommunion empfangen. In den Dankgottesdiensten erhielten sie zur Erinnerung an ihr Fest neben einem Wandkreuz aus Bronze das Büchlein "Friedrich Kaiser - ein Bilderbuch für jung und alt" von der Gemeinde als Geschenk.
Das Buch beschreibt auf 40 Seiten, leicht verständlich und mit farbenfrohen Grafiken bestückt, das Leben des Herz-Jesu-Missionars Friedrich Kaiser und soll den Kindern helfen, sich mit dem Glaubenszeugen aus ihrer Gemeinde zu befassen.
„Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?“ – so fragt der hl. Paulus die Gemeinde von Korinth (1 Kor 6, 19). Das Wirken und Handeln eines Menschen ist nicht denkbar ohne seinen Leib. Der Leib ist Voraussetzung und Medium, damit sich der Wille und die Inspiration des Menschen umsetzt und Gestalt annimmt. „Dein Leib war Gottes Tempel, er schenke dir ewige Freude“ – so heißt es im Verabschiedungsritual der Beerdigung.
Folgerichtig erfahren bei der Verehrung der Seligen und Heiligen auch die Gebeine eine besondere Wertschätzung: durch die Verehrung der Grabstätte oder von Reliquien. In früheren Jahrhunderten war die „Erhebung“ der Gebeine aus dem Grab durch eine Bischof der eigentliche Akt der offiziellen Heiligsprechung. Auch heute wird im Laufe des Kanonisierungsverfahrens das Grab eines zur Kanonisierung anstehenden Glaubenszeugen geöffnet und werden (in der sogenannten Rekognoszierung) die sterblichen Überreste des Seligsprechungskandidaten gesichtet. Der Theologe Becker-Huberti erklärt: „Nach einem entsprechenden Gesuch an den Ortsbischof erfolgt die Exhumierung (recognitio) der sterblichen Überreste des Dieners Gottes. Diese erfolgt in der Regel unter Beteiligung von zwei medizinischen Sachverständigen, wenigstens drei unabhängigen Zeugen und der Arbeiter, die bei diesem Vorgang helfen. Es erfolgt eine Umbettung in einen Zinksarg unter Befolgung genauer Vorschriften. Den Gebeinen werden einzelne Partikel als zukünftige Reliquien entnommen, dann wird der Sarg versiegelt.“
Über alles wird ein präzises Protokoll erstellt, von dem eine Abschrift an die entsprechende Kongregation nach Rom geht. „Ziel der Rekognoszierung ist die Sicherung der Gebeine.“ Im Bistum Münster fanden derartige Vorgänge 1975 in Dülmen (Anna Katharina Emmerick), 1985 auf dem Zentralfriedhof in Münster (Schwester Euthymia), 1991 im Viktor-Dom Xanten (Karl Leisner) oder 2005 im Paulusdom Münster (Clemens August von Galen) statt.
Am Montag, dem 3. Juni 2019, war es in Caraveli in Peru so weit: Dann erfolgte die Sichtung der Gebeine von Bischof Friedrich Kaiser.
Im März 1939 trat Friedrich Kaiser seine Ausreise nach Peru an. In der Hauptstadt Lima waren im Jahr zuvor (1938) die ersten Hiltruper Missionare und Schwestern eingetroffen und widmeten sich dem Aufbau einer Pfarrgemeinde. Bis heute wirken die Herz-Jesu-Missionare in Lima, darunter der aus dem Bistum Münster stammende Norbert Strotmann. Ihn besuchte im März 2019 Felix Genn, der Bischof von Münster.
Bischof Felix Genn im Gespräch mit Dr. Stefan Kronenburg, Mitarbeiter der Bischöflichen Pressestelle Münster >>>
Münsteraner Bischof würdigt Kaiser-Buch
Bischof Dr. Felix Genn hat dem im letzten Herbst erschienenen Buch „Sieben Wege. Ein Ziel“ über Bischof Friedrich Kaiser seine „hohe Anerkennung“ ausgesprochen. „Mit Begeisterung“ habe er das Buch gelesen, lässt der Münsteraner Oberhirte den Autor, Pfarrer Markus Trautmann, in einem Schreiben vom 1. März 2019 wissen. Der spirituelle Tourenbegleiter durch NRW sei „in hoher Sensibilität und wacher Aufmerksamkeit“ entstanden, so Genn. Aus den Texten über den beruflichen und geistlichen Werdegang des künftigen Dülmener Seligen spreche ein „leidenschaftliches priesterliches und pastorales Engagement“ und ein „Mitfühlen mit der Kirche“. Bei der Lektüre der Tourenbeschreibungen habe sich Genn vorgestellt und gewünscht, „dass ich, wenn ich genügend Zeit hätte, den einen oder anderen Weg, wenigstens durch Dülmen, noch einmal nachgehe.“ Er sei dankbar, dass „auf diese Weise das Andenken dieses Mitbruders in seiner Heimatstadt Dülmen aufrecht erhalten“ und so ein Beitrag geleistet werde, „dass es zu einer eventuellen Seligsprechung kommen kann.“
Friedrich Kaiser wurde 1903 in Dülmen geboren und starb 1993 in Lima. Seit 2010 laufen Vorbereitungen seiner Seligsprechung auf diözesaner Ebene, seit 2018 durch die vatikanische Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen. Kaiser gründete 1961 eine Schwesterngemeinschaft und wurde 1963 in Dülmen zum Bischof geweiht.
Das Bistum Münster leistet im Kanonisierungsverfahren für Bischof Kaiser Amtshilfe, indem das Offizialat (Gericht) der Diözese die Vernehmung von Zeitzeugen in Deutschland vornimmt.
Sieben Wege. Ein Ziel. Ein Tourenbegleiter durch NRW auf den Spuren von Bischof Friedrich Kaiser; hrsg. von Markus Trautmann; ISBN 978-3-00-060863-6; 7.50 €
Lieber Perukreis,
Im Namen der Missionarinnen von lehrenden und sühnenden Heiland erhalten aus dem fernen Peru unsere sehr herzlichen Ostergrüße.
Wir hoffen, dass Sie mit Ihre Familie mit Gnade und Segen die bevorstehende Karwoche segnen können, um in der Lage zu sein, mit Christus auferstehen und vollständig mit ihm leben zu können! " Wie Papst Franziskus sagt:
"Das leere Grab möchte herausfordern, mobilisieren, hinterfragen, vor allem aber ermutigen wir, zu glauben und zu vertrauen, dass Gott in jeder Situation und in jeder Person" geschieht "und dass sein Licht die am wenigsten erwarteten Ecken erreichen kann ... Er ist von dem Ort aufgestanden, von dem niemand etwas erwartet hat, aber er wartet auf uns - ebenso wie die Frauen -, um uns an seiner rettenden Arbeit teilhaben zu lassen. Dies ist das Fundament und die Stärke, die wir Christen haben müssen, um unser Leben und unsere Energie, unsere Intelligenz, Zuneigung und Bereitschaft, Wege der Würde zu suchen und insbesondere zu schaffen, zu setzen. Er ist nicht hier ... er ist auferstanden! Es ist die Ankündigung, die unsere Hoffnung aufrechterhält und in konkrete Gesten der Nächstenliebe verwandelt. "
Diese Worte werden uns in einem ganz paschalen Leben helfen, immer neben dem, der uns am meisten braucht.
Ich wünsche Ihnen viele Segnungen und bitte Ihre Gebet
Ihre dankbar Schwester Flavia
Obwohl bereits 91 Jahre alt, begibt sich Bernhard Kühnel regelmäßig im fernen Peru auf Reisen und besucht das Münsterland. In Ascheberg leben seine Familienangehörigen, in Hiltrup liegt die Zentrale seines Ordens. Bernhard Kühnel, 1927 in Oberschlesien geboren, gelangte nach Krieg und Gefangenschaft hierher, wurde „Herz-Jesu-Missionar“, 1955 zum Priester geweiht und 1960 nach Südamerika gesandt. Ab 1966 wirkte er in Caraveli in den Hochanden an der Seite des aus Dülmen stammenden Missionsbischofs Friedrich Kaiser. 1972 wurde er dessen Nachfolger. 2007 wurde er als Bischof emeritiert, blieb aber weiter in der Pfarrseelsorge aktiv und wirkt heute als Seelsorger bei den Schwestern der von Kaiser gegründeten Ordensgemeinschaft.
Am 22. Januar 2019 war Kühnel zu Besuch in Dülmen, wo er Pfarrer Markus Trautmann einen Besuch abstattete. „Bischof Kühnel ist ein Zeitzeuge der ganz besonderen Art, wenn man die Kenntnisse über Kaiser erweitern möchte“, findet Trautmann. Die Beziehung zwischen Kaiser und Kühnel, zwischen Vorgänger und Nachfolger in der Leitung der Prälatur von Caraveli, war zweifellos wechselhaft und herausfordernd – um es gelinde zu formulieren. So veranlasste Kühnel eine Visitation der von Kaiser gegründeten Niederlassungen von Seelsorgeschwestern. Um die mitunter angespannte Beziehung zwischen den „Herz-Jesu-Missionaren“ und den „Schwestern vom lehrenden und sühnenden Heiland“ zu beruhigen, zog Kaiser am Ende fast sämtliche Ordenskonvente aus dem Sprengel von Caraveli ab – wodurch sich die Gemeinschaft der Seelsorgeschwestern in ganz Südamerika ausbreitete. Auch die Verehrung Kaisers ist heute entsprechen weit gestreut.
Bei der offiziellen Eröffnung des vatikanischen Seligsprechungsverfahrens in Lima im September 2018 war auch Bernhard Kühnel zugegen. Insgesamt kann Kühnel seinem Vorgänger nur Respekt zollen: „Kaiser war in seinem Handeln mutig und konsequent, er hat viel gewagt“, so sein Urteil. „Vielleicht geht es nicht anders, als dass Menschen mit großen Ideen eine gewisse Kompromisslosigkeit an den Tag legen“, ergänzt er. Denn tatsächlich hat sich Kaiser, der „Dülmener Dickkopf“, mit seinen pastoralen Ideen und Initiativen nicht nur Freunde geschaffen. „Aber beliebt zu sein ist ja nicht unbedingt das hauptsächliche Merkmal für eine Seligsprechung“, meint der Altbischof feinsinnig.
Nachdem seit 2010 vom Erzbistum Lima die notwendige „diözesane Untersuchung“ für eine mögliche Seligsprechung von Friedrich Kaiser eröffnet worden war, wurden seitdem zahlreiche Dokumente und Zeugenaussagen zu dessen Leben zusammengetragen, auch in Deutschland. Insgesamt 54 Personen wurden vernommen; das erstellte Dossier umfasst rd. 10.000 Seiten.
Nun konnte die „diözesane Phase“ abgeschlossen werden. Aus diesem Anlass fand in Gegenwart von Erzbischof Carlos Castillo Mattasoglio im Priesterseminar von Lima am Freitag, dem 26. Juli, eine Feierstunde statt. Zugleich wurde eine Ordensfrau der „Gemeinschaft vom lehrenden und sühnenden Heiland“, Schwester Trinidad, vereidigt, um zeitnah die zusammengestellten Dokumente nach Rom zu bringen.















