2023
Am 17. November 2023 übergab die Postulatorin im Seligsprechungsverfahren für Friedrich Kaiser, María Victoria Hernández, dem vatikanischen Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse die „Positio“ über das Leben und die Tugenden des Dieners Gottes Friedrich Kaiser. Die „Positio“ ist eine in chronologischer Reihenfolge abgefasste Darstellung des Lebens und Wirkens eines Dieners Gottes und soll dessen tugendhaftes Leben dokumentieren. Sie enthält die wichtigsten Aspekte des Lebens, der Tugenden und der Schriften von Kaiser sowie die einschlägigen Zeugenaussagen. Der Band besteht aus 1054 Textseiten sowie 12 Seiten mit Fotos, die das Leben des Dieners Gottes veranschaulichen.
Insgesamt wurden 45 Exemplare der „Positio“ gedruckt. Fünf davon werden dem Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse übergeben. Elf Exemplare der „Positio“ werden den vom Dikasterium ernannten beratenden Theologen übergeben. Jeder Theologe gibt eine individuelle und geheime Stimme ab. Dann wird die „Positio“ von den Kardinälen und Bischöfen des Dikasteriums studiert, die ebenfalls ihre Stimme abgeben. Fällt die Abstimmung positiv aus, verkündet der Papst das Dekret des „heroischen Tugendgrads“, mit dem der Diener Gottes als „ehrwürdig“ (venerabilis) erklärt wird.
Bei der Vorbereitung der „Positio“ haben Postulatorin María Victoria Hernández und die „Missionarinnen vom lehrenden und sühnenden Heiland“ Sr. M. Inmaculata, Sr. M. Hedwig und Sr. M. Benilde gemeinsam mit Monsignore Maurizio Tagliaferri (im Verfahren verantwortlicher Relator) zusammengearbeitet.
Nach vielen Jahren kam in der Dülmener Kirche St. Joseph am 2. Oktober, dem Schutzengelfest, ein Messgewand aus den 1960er Jahren wieder zum Einsatz. Anlass war der Besuch der beiden peruanischen Ordensfrauen Schwester Inmaculata und Schwester Flavia, die an der gut besuchten Gemeinschaftsmesse der kfd St. Joseph und am anschließenden Erntedankfrühstück im Pfarrheim teilnahmen. Dort berichteten sie von ihrer Arbeit in Südamerika. Dies hatte in St. Joseph schon einmal Bischof Friedrich Kaiser getan, der hier am 17. April 1967 einen Gottesdienst feierte und über die pastorale Situation in den peruanischen Anden sprach. Kaiser war 1961 der Gründer eben jener Gemeinschaft der „Missionarinnen vom sühnenden und lehrenden Heiland“, zu der die Schwestern Inmaculata und Flavia gehören. – Unsere Bilder zeigen Bischof Friedrich Kaiser bzw. Pfarrer Peter Thewes sowie Schwester Inmaculata und Schwester Flavia mit Pfarrer Markus Trautmann vor einem Foto aus dem Jahr 1967.
Am 26. September 1993 starb Bischof Friedrich Kaiser. Schwester Willibrordis, seine langjährige Wegbegleiterin und Mitgründerin der „Misioneras de Jesus Verbo et Victima“, hielt die letzten Stunden des hochbetagten Bischofs in einem Gedächtnisprotokoll fest.
„Am 22. September dankten wir Gott in der hl. Messe, dass unser Vater – trotz seines Gehirnschlags im Januar 1988 – fünf Jahre lang täglich das heilige Messopfer feiern konnte. Bis zum 25. September deutete nichts darauf hin, dass der 26. September sein Sterbetag sein würde. Nachmittags, also am 25. September, rief er plötzlich um Hilfe. Die Schwester, die immer in seiner Nähe war, fand ihn stehend. Er konnte keinen Schritt tun. Man versuchte, die kalte Füße und Beine zu erwärmen durch frottieren usw. Um 15.00 Uhr unterrichtete man mich. Mir schien die Sache sehr ernst, vor allem wegen seiner Kurzatmung. Ich hatte den Eindruck: Seine Stunde ist da, es geht zum Sterben. Es selbst sagte: Die Schwestern mögen zur Kapelle gehen. Der herbeigerufene Arzt verordnete Sauerstoff und Suero (Serum; Anm.).
Unser Herr Pfarrer, sein Mitbruder Pater Wacker, kam für die hl. Beichte und die hl. Ölung. Wir verbanden uns aber auch sofort mit unseren Schwestern in Lima, die die Nachricht von der schweren Erkrankung unseres Vaters in alle Häuser, auch im Ausland, weitergaben. Gleichzeitig wurde sein Arzt in Lima benachrichtigt. Er versprach, am nächsten Morgen den Kranken im Flugzeug nach Lima zu begleiten. Unvergesslich wird uns die Nacht vom Samstag auf den Sonntag sein. Wir, die bei ihm wachten, beteten mit lauter Stimme. In den Pausen betete unser kranker Vater mit kräftiger Stimme ein Stoßgebet oder eine Bibelstelle, z.B. ‚Gott ist die Liebe‘, ‚Mein Gott, ich liebe Dich‘. Öfters wiederholte er: ‚Es lebe Christus König.‘ Das Wort König betonte er stark. Wir wiederholten seinen Ausruf im Chor mit der gleichen Betonung. Gegen 5.00 Uhr wurde er unruhig. Er wolle unbedingt die heilige Messe feiern. ‚Die heilige Messe, die heilige Messe‘ sagte er – und: ‚Ich muss doch meine Tagesordnung einhalten.‘ Später stellten wir seinen Messkelch von ihn hin, den er seit der Primiz – mit wenigen Ausnahmen wegen Krankheit – täglich benutzt hatte. Der Kranke berührte ihn ehrfürchtig. Danach reichte ich ihm die hl. Kommunion. Wegen der ungünstigen Witterung in Lima konnte das Flugzeug erst um 11.00 Uhr in Caravelí landen. Die Frau des Arztes brachte unserem Vater den ‚Comercio‘ mit, die größte und beste Zeitung Perus, mit einem Artikel über unsere Kongregation in den Anden. Der Kranke schien nicht mehr krank zu sein. Mit sichtlicher Freude las er diesen Artikel. Die Frage des Arztes, ob er bereit sei nach Lima in die Klinik zu reisen, beantwortete er mit Staunen und Schweigen, ließ aber dann alles mit sich geschehen. Er hatte mir mal vor Jahren gesagt, man möchte ihn nicht mehr nach Lima transportieren, wenn er krank würde. ‚Ich habe das Alter zum Sterben und hier möchte ich sterben.‘ Um 15.30 Uhr landeten wir in Lima, um 16.30 Uhr in der Klinik. In der Intensivstation konnte ich erst gegen 18.00 Uhr zu ihm kommen und nur für einige Minuten. Wegen der Sauerstoffmaske konnte ich seine letzten Worte nicht mehr verstehen. Leider wusste ich nicht, dass die Ärzte im Operationssaal auf ihn warteten. Ich glaubte, die Operation sei später und gab dem Drängen der Schwestern nach, mich zurückzuziehen. Vier Schwestern blieben in der Klinik. Um 20.00 Uhr kam freudevoll unser Arzt zu den vier Schwestern mit der guten Nachricht, alles sei gut verlaufen, seine Beine haben wieder Leben. Sie seien warm und beweglich. Es sei ‚nur‘ noch eine zweite Intervention nötig. Eine andere Arterie sei noch verstopft, die den Darm lahm legte. Diesen zweiten Eingriff hat das Herz nicht überstanden. Um 20.45 Uhr stand es still. Noch in derselben Stunde konnten unsere Schwestern den guten Vater kleiden und im Sarg zu unserem Haus ‚Santa Catalina‘ in die Kapelle bringen. Sie wollten nicht, dass mich in der Nacht die Trauernachricht erreichte. Erst nach 5.00 Uhr erfuhr ich von seiner ‚Himmelfahrt‘. Gegen 9.00 Uhr war unser Vater in unserer Kapelle in Santa Teresa. Seine Mitbrüder feierten dort das heilige Messopfer.“
In diesem Herbst ist 60 Jahre her, dass der Dülmener Peru-Missionar Friedrich Kaiser im Rahmen eines Heimaturlaubs in St. Viktor die Bischofsweihe empfing. Der Förderverein Caravelì e.V. nutzt die Anwesenheit zweier südamerikanischer Ordensfrauen aus der von Kaiser gegründeten Schwesterngemeinschaft, um an diesen denkwürdigen Tag zu erinnern. Am Sonntag, 1. Oktober, wird der Abendgottesdienst um 19.00 Uhr in St. Viktor im Zeichen des Rückblicks stehen. Dazu wird Pfarrer Franz Anstett aus Nottuln, der als Heranwachsender damals in Dülmen zugegen und später ebenfalls Seelsorger in Südamerika war, aus seinen Erinnerungen berichten. Auch die peruanischen Gästen beleuchten das bischöfliche Wirken Friedrich Kaisers in den Hochanden. Im Anschluss an den Gottesdienst wird unweit der Viktorkirche eine kleine Gedenktafel enthüllt: Eine Fotomontage verbindet ein Foto vom 7. Dezember 1963 mit einer heutigen Ansicht vom neugestalteten Dülmener Kirchplatz; ein QR-Code führt zu weiteren Infos.
Anlässlich des 30. Todestages von Bischof Friedrich Kaiser wird am 30. September 2023 in Lima erstmals ein internationaler Kongress stattfinden, in dessen Verlauf verschiedene Aspekte des Seligsprechungsverfahrens für Bischof Kaiser präsentiert und diskutiert werden. Nähere Infos zum Ablauf bzw. zur Anmeldung der Veranstaltung in der „Universität vom Heiligsten Herzen“ in Lima finden sich auf einem Flyer >.
Am 120. Geburtstag von Friedrich Kaiser, am 24. Mai 2023, fand in Dülmen die Jahreshauptversammlung des „Fördervereins Caraveli e.V“ statt. Im Rahmen der zweistündigen Veranstaltung im Begegnungszentrum „einsA“ konnten fünf neue Mitglieder begrüßt werden. Die Neuwahl des Vorstands ergab die nachstehenden Ergebnisse. Erster Vorsitzender: Markus Trautmann; zweite Vorsitzende: Barbara Dupp; Kassiererin: Birgitte Martini; Schriftführerin: Christiane Daldrup; Kassenprüfer: Bernd Schmitz und Hildegard Stegehake. Als Gast konnte Pfr. Franz Anstett begrüßt werden, der eindrucksvoll von seinem langjährigen Wirken als Musiklehrer und Priester in Peru berichtete und das spezifische Charisma von Friedrich Kaiser sowie das Wirken der „Missionarinnen vom lehrenden und sühnenden Heiland“ würdigte.
Ein froher Gruß der Seelsorgeschwestern aus Peru („Missionarinnen vom lehrenden und sühnenden Heiland“) erreicht uns in diesen österlichen Tagen:
Im Alter von 84 Jahren verstarb Georg Claes (1938-2023) am 4. März in Paderborn. Er kann als „Mann der ersten Stunde“ bezeichnet werden: Nachdem sich Schwester Willibrordis Mitte der 1990er Jahre mit der Bitte um Gründung eines Fördervereins für die Seelsorgeschwestern von Caravelì an den damaligen Paderborner Weihbischof Paul Consbruch (1930-2012), den Beauftragten des Erzbistums für Fragen der Weltkirche, gewandt hatte, wandte sich dieser daraufhin an Georg Claes, der im Generalvikariat als stellvertretender Leiter der Finanzabteilung mit derartigen Anliegen zu tun hatte. Der Weihbischof bat Claes, einmal zu prüfen, ob und wie ein Förderverein für die Schwestern eingerichtet werden könnte. Claes unternahm daraufhin die Vorbereitungen: Es hat sich ein notariell beglaubigtes und mit vielen Stempeln versehenen peruanisches Dokument vom 28. Oktober 1997 erhalten, in dem die Generaloberin sowie die Ratschwestern der Gemeinschaft Herrn Georg Claes „bzw. die von ihm schriftliche beauftrage Person“ autorisieren, beim Amtsgericht Paderborn „einen gerichtlich eingetragenen Verein (e.V.) zu errichten zwecks Eintreibung von Spenden zugunsten der genannten Ordensgemeinschaft“. Da Georg Claes zur Paderborner St. Stephanusgemeinde gehörte, lag es nahe, den damaligen Pfarrer Philipp Schniedertüns (1934-2004) mit dem Ansinnen des Weihbischofs bzw. dem Anliegen der peruanischen Schwestern zu konfrontieren und mit ihm eine konkrete Umsetzung mit Gläubigen eben aus St. Stephanus zu beraten. Pfarrer Schniedertüns trommelte somit im folgenden Jahr 1998 etliche Interessierte „der ersten Stunde“ zusammen – und eine segensreiche, bis heute andauernde Entwicklung konnte ihren Lauf nehmen.
Im vergangenen Jahr …
sind die „Hiltruper Monatshefte“ zum letzten Mal erschienen, die seit dem 19. Jahrhundert eine wichtige Verbindung zwischen den Gläubigen in Deutschland und den weit entfernt gelegenen Einsatzgebieten der Hiltruper Missionare und Schwestern bildeten. In der Juli-Ausgabe 1960 schilderte ein deutscher Pater eine spirituelle Auffälligkeit, ja Einseitigkeit, die er in Peru wahrgenommen hat:
„Es ist sehr aufschlussreich zu sehen, was der peruanische Mensch, in Form einer Auslese,vom reichen Glaubensgut der Kirche an erster Stelle annahm und seiner Erlebniswelt auf innigste verband: Es war die Andacht zum Leiden Christi. Der leidgewohnte Mensch findet im leidenden Christus seinen Bruder und Erlöser. … Das Osterfest ist ihm fremd. Es gibt keine Osterbräuche, kein Osterlied. Der Peruaner ist unter dem Kreuz stehen geblieben.“
Ob diese Beobachtung treffend war bzw. ob sie heute, nach mehr als 60 Jahren, noch gilt, entzieht sich meiner Kenntnis. Interessant ist aber der Gedanke, dass je nach Region oder Epoche die Menschen ihren „spirituellen Focus“ oder die Perspektive ihres Glaubensausdrucks unterschiedlich ausrichten, mitunter auch verzerren: Das ist dann gar nicht die bewusste Entscheidung des einzelnen Christen, sondern eher eine bestehende und unbewusste Vorgabe – nicht zuletzt durch die Gesellschaft und ihre dominierende Mentalität,von de rjeder von uns umfangen ist.
Die Fastenzeit will uns einladen, dem Leiden Jesu neu zu begegnen. Unser Problem heute bzw. in der westlichen Welt ist wohl nicht so sehr, dass wir „unter dem Kreuz stehen bleiben“. Eher tendieren wir hierzulande dazu, vom Kreuz wegzulaufen. Auch wenn wir medial mit so vielem fremden Leid konfrontiert werden und sicher auch unser eigenes Päckchen zu tragen haben: Allzuoft flüchten wir in die oberflächliche Ablenkung und die seichte Zerstreuung.
Unsere vielen Spender und Freunde, die nach wie vor großherzig die Seelsorgeschwestern von Caravelí finanziell und ideell unterstützen, machen deutlich, dass sie sich von der Last und dem Kreuz anderer Menschen anrühren lassen. Sie gleichen ein wenig dem biblischen Simon von Cyrene, der auf dem Kreuzweg Jesu spontan mitanpackte, obwohl er im Augenblick wohl gar nicht wissen konnte, wem er da zur Hilfe eilte.
Uns allen ein gutes Zugehen auf Ostern!
Markus Trautmann








