2024
Überraschende Neuigkeiten aus Rom: Entgegen der ursprünglichen Terminplanung wird die „Positio“ zur Kanonisierung von Friedrich Kaiser bereits Anfang Februar den theologischen „Konsultoren“ des Dikasteriums für die Selig- und Heiligsprechungen (lat. „Dicasterium de Causis Sanctorum“) zur Lektüre übergeben. Als „Konsultoren“ der römischen Kurie werden nach katholischem Kirchenrecht die den einzelnen Dikasterien (dt. „Gerichte“) zugeordneten Berater bezeichnet. Eine „Positio“ (Abkürzung für lat. „Positio super virtutibus“, also „Stellungnahme zu den Tugenden“) ist ein Dokument oder eine Sammlung von Dokumenten, die beim Seligsprechungsprozess verwendet wird, um einen Glaubenszeugen für „ehrwürdig“ zu erklären. „Die Konsultoren des Dikasteriums werden die Positio bis zum 15. Mai einer eingehenden Lektüre unterziehen“, berichtet Schwester M. Inmaculata“, die sich derzeit mit zwei Mitschwestern in Rom aufhält. „Damit geht es schneller voran, als wir dachten.“ Die elf Konsultoren werden in einer gemeinsamen Sitzung der Mitglieder des Dikasteriums am 15. Mai ihre theologischen Voten abgeben. Dem Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungen gehören momentan 15 Kardinäle, 10 Erzbischöfe, 11 Bischöfe, 4 theologische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sowie die besagten 11 Konsultoren an. „Wir bitten weiterhin um das unterstützende Gebet der Gläubigen in Deutschland“, so Schwester M. Inmaculata. „Wir vertrauen auf die Fürsprache von Bischof Kaiser. Auch hier in Rom beten wir die Novene von Pfarrer Weishaupt, natürlich in deutscher Sprache.“
Am 25. März 1939 verließ der aus Dülmen stammende Herz-Jesu-Missionar Friedrich Kaiser (1903-1993) von Bremerhaven aus seine Heimat, um an seine neue Wirkstätte zu gelangen – nach Peru. Im Archiv der Schiffs-Reederei „Norddeutscher Lloyd“ in Bremen hat sich bis heute die originale „Ausreiseliste“ erhalten, die auch ein Schlaglicht auf die damalige Situation der deutschen Juden wirft: In der Tabelle sind sämtliche 17 Passagiere eingetragen, die mit dem Frachtschiff „Isar“ die Ausreise nach Südamerika (mit den Zielen Ecuador, Chile, Bolivien und Peru) antraten. Von diesen 17 Personen waren sechs Fahrgäste Juden und drei „Mischlinge“, die in letzter Minute die Chance zur Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland nutzten. 14 Passagiere waren als „Auswanderer“ notiert, 3 als „Reisende“ – darunter der „Missionspriester“ Friedrich Kaiser, der damit seine Überfahrt quasi als „vorübergehend“ deklarierte; andernfalls war eine hohe „Reichsfluchtsteuer“ an den deutschen Fiskus zu entrichten. – Wir danken Herrn Holger Bischoff, dem Archivar des IHK für Bremen und Bremerhaven, für den Hinweis auf dieses Dokument!
Foto: Schiff ISAR; Historisches MarineArchiv, Urs Heßling
Papst Franziskus würdigt die peruanische Ordensgemeinschaft der „Missionarinnen vom lehrenden und sühnenden Heiland“: In einer Unterredung mit belgischen Jesuiten am 28. September in Brüssel hat sich Papst Franziskus anerkennend über die peruanischen „Misioneras de Jesus Verbo y Victima“ geäußert. In dem Austausch ging es um die weltweit drängende Frage der Gemeindeleitung für den Fall, dass keine Priester vor Ort sind. „Der Priester ist ein Diener der Gemeinschaft“, so der Papst, daher sei die Gemeinschaft prinzipiell wichtiger als der Priester. Die Frage sei daher, wer – sofern kein Priester zur Verfügung stehe – eine Führungsrolle in der Gemeinde übernehmen könne, um eben die Gemeinschaft zu begleiten und zu fördern. Franziskus wörtlich: „Ich denke an eine peruanische Kongregation von Schwestern, die ihre eigene spezifische Mission haben: Sie gehen dorthin, wo es keinen Priester gibt. Sie tun alles: Sie predigen, sie taufen …“ Wenn am Ende ein Priester geschickt werde, gingen sie woanders hin, sagte Papst Franziskus mit Blick auf die von Friedrich Kaiser 1961 ins Leben gerufene Ordensgemeinschaft. (Quelle: La Civilta Cattolica, Nr. 4184)
Auch in diesem Jahr waren zwei „Missionarinnen vom lehrenden und sühnenden Heiland“ rund um den „Tag der deutschen Einheit“ zu Besuch in Dülmen, der Heimatstadt ihres Gründers Friedrich Kaiser. Dort besuchten sie verschiedene Schulklassen und stellten beim traditionellen Dülmener „Bürgertreff“ (3. Oktober) in der Dülmener Innenstadt ihre pastorale Arbeit in Südamerika vor bzw. boten verschiedene peruanische Textilien (aus Alpaka-Wolle) zum Kauf an.
(Foto Bürgertreff: Stefan Bücker)
Pünktlich zu Beginn des Rosenkranzmonats besuchten die beiden peruanischen Ordensfrauen Schwester Inmaculata und Schwester Flavia am 1. Oktober 2024 den belgischen Marienwallfahrtsort Banneux. In diesem Sommer war es 75 Jahre her, seit der Bischof von Lüttich am 22. August 1949 die Marienerscheinungen vom Jahre 1933 offiziell anerkannte. Damals bezeichnete sich die Gottesmutter gegenüber der zwölfjährigen Mariette Beco als „Jungfrau der Armen“. Die Mitgründerin der „Missionarinnen vom lehrenden und sühnenden Heiland“, Schwester Willibrordis, empfand diesen Ehrentitel für Maria als Ausdruck einer geeigneten geistlichen Haltung auch für ihre Schwestern: „Schwester Willibrordis bestellte irgendwann eine Figur der ‚Jungfrau der Armen‘“, erinnert sich Schwester Inmaculata, „später wurden weitere Skulpturen bestellt für unsere Missionen in Argentinien oder Bolivien und an anderen Orten.“ Auch in dem Exerzitienhaus „Emaus“ in Caraveli befindet sich heute eine Darstellung der „Jungfrau der Armen“. Schwester Inmaculata ergänzt: „Die Mutter Gottes als ‚Jungfrau der Armen‘ wurde auch ausgewählt, weil Maria als schweigend, besinnlich und im Akt des Zuhörens dargestellt und betrachtet wird.“
Unsere Bilder zeigen die Marienfiguren der „Jungfrau der Armen“ in Bolivien (unter dem Glasdach) sowie in Argentinien (in einer aufgebrochenen Kugel). Zwei weitere Fotos zeigen Schwester Inmaculata und Schwester Flavia vor der Erscheinungskapelle von Banneux bzw. vor der Quelle unterhalb der Figur der „Jungfrau der Armen“.
Ab Oktober wird in der Dülmener Markt- und Stadtkirche St. Viktor jeweils am 9. eines Monats die Heilige Messe in den Anliegen der Verehrerinnen und Verehrer der seligen Anna Katharina Emmerick gefeiert: Montags bis Samstag i.d.R. um 8.30 Uhr, sonntags um 19.00. Der Termin ist in Erinnerung an den Sterbetag der Seligen gewählt, der 9. Februar 1824.
Am jeweils 26. eines Monats wird die Heilige Messe in den Anliegen der Verehrerinnen und Verehrer von Bischof Kaiser und um seine Seligsprechung gefeiert (Todestag: 26.09.1993), ebenfalls montags bis freitags um 8.30, sonntags um 19.00.
Fällt der 9. eines Monates auf den zweiten Donnerstag und der 26. auf den vierten Donnerstag, findet die Eucharistiefeier in Dülmen St. Mauritius statt, sonst immer in St. Viktor.
Im Seligsprechungsverfahren für Bischof Friedrich Kaiser zeichnet sich eine weitere Entwicklung ab: Wie der Präfekt für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Kardinal Marcello Semeraro, am 25. Juli die Generaloberin der „Missionarinnen vom lehrenden und sühnenden Heiland“, Mutter Miryam, wissen ließ, wird die im November des letzten Jahres abgeschlossene „Positio“ zügig den „Theologischen Konsultoren“ vorgelegt.
Die „Positio“ ist eine umfangreiche Abhandlung, die die gesammelten Materialien und Erkenntnisse zum Leben von Friedrich Kaiser verarbeitet und zusammenfasst. Offiziell und vollständig lautet die Bezeichnung „Positio super virtutibus“ – also „Stellungnahme zu den Tugenden“: Gemeint ist vor allem die Untersuchung, inwieweit sich das Leben Friedrich Kaisers an den Tugenden „Glaube“, „Hoffnung“ und „Liebe“ ausgerichtet hat. Zusammengestellt wurde die „Positio“ über Bischof Kaiser von der „Postulatorin“ („Fordernde“) María Victoria Hernández und am 17. November 2023 dem vatikanischen Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungen in mehrfacher Ausführung übergeben.
Von dort her kam nun besagte Mitteilung: „Ich freue mich, Ihnen mitzuteilen, dass die betreffende Positio super virtutibus im Mai 2025 den Theologischen Konsultoren des Dikasteriums und, sollte das Urteil positiv ausfallen, der Ordentlichen Versammlung der Kardinäle und Bischöfe vorgelegt werden wird. Sollte das Urteil positiv ausfallen, wäre es schließlich Sache des Heiligen Vaters, über die Verkündung des entsprechenden Dekrets zu entscheiden". Mit diesem Dekret würde der sogenannte „Heroische Tugendgrad“ festgestellt; der betreffende Kandidat im Seligsprechungsverfahren (also Friedrich Kaiser) würde ab diesem Zeitpunkt als „ehrwürdig“ („venerabilis“) bezeichnet. Im anschließenden „Wunderprozess“ müsste eine nicht erklärbare Heilung von einer unheilbaren Krankheit nachgewiesen werden - aufgrund der von Gläubigen an Bischof Kaiser gerichteten Bitte um Fürsprache bei Gott..Im Dülmener Laumann-Verlag ist in diesem Frühjahr eine Novene erschienen, die der Dülmener Priester Heio Weishaupt verfasst hat: Die Kleinschrift „Tief im Herzen anzukommen“ umfasst 48 Seiten sowie zahlreiche Abbildungen. Der Begriff „Novene“ bezieht sich auf das lateinische Wort „novem“ für die Zahl Neun und bezeichnet eine neuntätige Andacht. Diese Übung der persönlichen oder gemeinschaftlichen Frömmigkeit hat ihren Ursprung im neuntägigen Gebet, zu dem sich nach der Himmelfahrt Jesu die Apostel mit Maria und weiteren Jüngerinnen und Jüngern im Abendmahlssaal versammelten – in der Erwartung des Pfingstfestes. Die neu erschienene Novene lädt ein, mit Blick auf Bischof Friedrich Kaiser zu beten – also sich von seiner Haltung und von seinen Worten anregen zu lassen, das eigene Leben Gott hinzuhalten. Es bleibt jedem selbst überlassen, ob er die Novene in Gänze in einem bestimmten Anliegen betet, oder ob für jeden Tag ein anderes Gebetsanliegen in den Blick genommen wird. Die einzelnen Tage stehen auf je zwei Doppelseiten unter Leitworten, die mit dem Leben des (hoffentlich) künftigen Seligen zu tun haben, aber auch mit dem Leben der Betenden in Verbindung gebracht werden können: hören – handeln – leiden – lehren – loben – leiten – bitten – sühnen – danken.
Der tägliche Aufbau wird jeweils über zwei Doppelseiten entfaltet und ist relativ einfach: Nach einem Eröffnungsgebet (jeden Tag gleich, in der Mitte des Heftes) folgt ein Wort der Heiligen Schrift. Die anschließende Besinnung nimmt das jeweilige Leitwort auf und bezieht es auf das Leben Friedrich Kaisers bzw. auf mein eigenes Leben. Es folgt ein O-Ton von Bischof Kaiser, keineswegs als hochtheologische Sentenz, sondern meistens als ein sehr persönliches Zitat aus seinen deutschsprachigen Briefen oder Publikationen. Ohnehin tritt uns Friedrich Kaiser in dieser Novene nicht zuerst als der peruanische Bischof oder charismatische Ordensgründer entgegen, sondern als der einfache Christ auf Augenhöhe, der sich als begeisterter Jünger Jesu versteht – aber immer auch um seine Grenzen weiß.
Nach einem Gebet zu Gott (bzw. zum Diener Gottes Friedrich Kaiser) schließt die Novene mit einer Anregung für den Alltag. Für den Fall, dass die Novene gemeinschaftlich gebetet wird, empfiehlt sich ein gemeinsames Lied zu Beginn oder zum Abschluss. In diesem Sinne wird für jeden Tag der Novene ein anderes Gemeindelied aus dem „Gotteslob“ vorgeschlagen. Auch ist das im Mittelteil platzierte Gebet um die Seligsprechung von Friedrich Kaiser nicht als fester Bestandteil der Novene gedacht, wird aber gern empfohlen! Nicht zuletzt können sowohl die historischen Fotos als auch die im Herbst 2023 entstandenen Farbfotos aus Caravelí bzw. aus der Prälatur Caravelí helfen, die Verbundenheit mit Bischof Friedrich Kaiser und seinem Werk zu vertiefen.
Die Novene „Tief im Herzen anzukommen“ kostet 7,80 € und trägt die ISBN 978-3-89960-508-2







