2016
Am Sonntag, 20. November, starb der aus Dülmen stammende Herz-Jesu-Missionar Reinhold Frieling. Pater Frieling wurde 1926 geboren und wuchs mit zwei Geschwistern auf. Nach den Wirren des Zweiten Weltkriegs holte er in Lüdinghausen sein Abitur nach, absolvierte bei den Herz-Jesu-Missionaren das Noviziat und dann das Theologiestudium in Oeventrop im Sauerland. 1954 wurde Pater Reinhold Frieling vom damaligen Paderborner Weihbischof Franz Hengsbach zum Priester geweiht und ging anschließend fast 16 Jahre als Missionar nach Peru. An der Seite seines Onkels, Bischof Friedrich Kaiser, arbeitete er beim Aufbau der Prälatur von Caravelí in den Hochanden mit. 1971 kehrte er aus gesundheitlichen Gründen nach Deutschland zurück und war seit dieser Zeit als Krankenhausseelsorger im St. Elisabeth-Hospital Herten tätig. 2012 wechselte er nach Hiltrup, wo er im Kreis seiner Mitbrüder den Lebensabend verbachte. Nach kurzer schwerer Krankheit starb er hier friedlich am Christkönigssonntag. {nomultithumb}
Pfarrer Markus Trautmann, der sich seit einigen Jahren intensiv mit dem aus Dülmen stammenden Missionar Friedrich Kaiser beschäftigt, referierte am Mittwoch, 9. November 2016, in einem Bildervortrag über das Leben und Wirken des Bischofs. Er zeigte anhand vieler historischer und aktueller Fotos wie auch Illustrationen den biographischen Weg des Glaubenszeugens auf:
seine Kindheit und Ausbildungszeit in Dülmen, die Priesterausbildung in Vussem, Oeventrop und Hiltrup, Kaisers Ausreise nach Peru sowie seine dortige Gründung der Gemeinschaft der »Missionsschwestern vom lehrenden und sühnenden Heiland«, die Besuche in der Heimat und auch seine Bischofsweihe in St. Viktor bis hin zum Tod 1993 im hohen Alter von 90 Jahren.
Ebenso erhielten die Zuhörerinnen einen Einblick in die Arbeit der Schwestern in den entferntesten und entlegensten Gebieten Perus, die praktisch als pastorales Niemandsland und soziales Notstandsgebiet gelten.
Eingeladen zu diesem Abend hatte die kfd St. Viktor aus Dülmen, die seit vielen Jahren in ihren Gottesdiensten um Geldspenden für die „Bischof-Kaiser-Stiftung“ bittet.
"Der Vortrag war eine sehr lebendige und kurzweilige Darstellung, die auch viele historische Hintergründe bereithielt", zeigte sich die kfd-Vorsitzende Anna Gress begeistert.
Bereits zum dritten Mal in zwei Jahren legt der dialog-Verlag Münster ein "Bilderbuch für Jung und Alt" vor. Es beschreibt auf 40 Seiten, leicht verständlich und mit farbenfrohen Grafiken bestückt, das Leben des aus Dülmen stammenden Herz-Jesu-Missionars Friedrich Kaiser.
Dieser, 1903 geboren und 1993 in Lima gestorben, wanderte 1939 nach Peru aus und wirkte ab 1958 als Seelsorger bei den Indios in den Hochanden. "Die Kleinschrift soll preiswert sein und einen großen Leserkreis in Deutschland erreichen, um Friedrich Kaiser im Zugehen auf dessen Seligsprechung bekannter zu machen", erklärt Christiane Daldrup, Mitglied im Öffentlichkeitsausschuss der Dülmener Gemeinde St. Viktor. Sie hat die Illustrationen von Bärbel Stangenberg aus Wachtendonk und die Texte des Dülmener Pfarrers Markus Trautmann in eine originelle Seitengestaltung gebracht. Neben den kindgerechten Aquarellmotiven gehören auch zahlreiche Fotos und erklärende Themenkästen zum Konzept des quadratischen Büchleins.
"Eine besondere Herausforderung war die Recherche von historischen Details, um die Bildmotive authentisch, aber auch spannend zu gestalten", erläutert Bärbel Stangenberg. Wie waren Kinder vor dem Ersten Weltkrieg gekleidet? Oder welche Szene fasst gut den Alltag in einem Indio-Dorf zusammen? "Wir konnten einige schöne Fotos als Vorlage auch aus der Kindheit Friedrich Kaisers auftreiben", sagt Daldrup, das früheste von 1910. Allerdings sei das Buch nicht einfach historisch oder nostalgisch-verklärend ausgerichtet.
Die Initiatoren sind sich einig: Wer sich mit dem Hiltruper Missionar Friedrich Kaiser und dem Wirken der von ihm gegründeten Gemeinschaft von Seelsorgeschwestern in Südamerika befasst, sieht auch die Situation von Glaube und Kirche hierzulande in einem anderen Licht. "So manche kurzatmig geführte Debatte und Dramatisierung um die Zukunft des kirchlichen Lebens könnte zu etwas mehr Gelassenheit und Kreativität führen, wenn wir die Situation etwa in den Anden anschauen", meint Trautmann. Dann bedeute das Papst-Wort, "an die Ränder" zu gehen, seinen Blick zu weiten und etwas von der typisch deutschen Versorgungsmentalität aufzugeben. "Friedrich Kaiser mutet uns Leidenschaft und Glaubensfreude zu", betont der Geistliche, "sowie die Bereitschaft, für das Miteinander im Glauben auch Opfer zu bringen, statt nur zu nörgeln."
Bericht der bischöflichen Pressestelle Bistum Münster
Weitere Pressemitteilungen:
- "Von Dülmen in die Anden", Dülmener Zeitung, 28. September 2016 (pdf)
- "Bischof Kaiser neu im 'Bilderbuch für Jung und Alt'", Streiflichter, 28. September 2016 (pdf)
- Interview-Mitschnitt, Radio Kiepenkerl, 28. September 2016
Gleich zweimal zählten Pfarrer Markus Trautmann und seine 60 Gäste beim spirituellen Stadtgang einen Countdown herunter. Einmal zur Enthüllung einer Friedrich-Kaiser-Gedenktafel vor dem Waldfriedhof, einmal zur Freischaltung der Website www.bischof-friedrich-kaiser.de. Auch Verwandte des Bischofs und zwei Schwestern aus Peru waren angereist, die zur Gemeinschaft vom lehrenden und sühnenden Jesus gehören, dem Orden, den Kaiser einst gründete.
„Er zeigt uns, wie Kirche unter einfachsten Umständen funktioniert, und hilft unser falsches Anspruchsdenken zu überwinden“, erläuterte Trautmann die heutige Bedeutung des Wirkens von Friedrich Kaiser. Schwester Inmaculata berichtete, wie der Bischof für die Missionsschwestern Professor, Priester und Vater zugleich gewesen sei und mit seinem großen Herzen Aufmerksamkeit und Mut geschenkt habe. Und für Elma Freese, Nichte des Bischofs, die vor zehn Jahren selbst in Peru gewesen war, ist Kaiser vor allem Sinnbild für tätige Nächstenliebe.
Nachdem die Schwestern ein Lied über die Schönheit Perus angestimmt hatten, segnete Trautmann die neue Gedenktafel. Auf dem Friedhof selbst besuchten die Teilnehmer des Rundgangs dann einige Gräber von Geistlichen, die mit Friedrich Kaiser in Kontakt standen, um sich dann zur Freischaltung der Internet-Plattform zu treffen, die zukünftig über das Leben des Bischofs und sein Wirken in den Anden informieren soll. Über ein Video auf der Homepage kam, wenn auch auf Spanisch, dann auch der Bischof zu Wort. Abschließend saßen die Gäste noch bei einem kleinen Imbiss und Gesprächen über die fernen Anden zusammen.
Bericht und Foto der Dülmener Zeitung, Milena Michalak
Auf der Suche nach Informationen über den Gründer ihrer Gemeinschaft, Bischof Friedrich Kaiser (1903-1993), besuchten Schwester Inmaculata und Schwester Flavia auch das Dülmener Stadtarchiv. Die beiden Peruanerinnen nutzten ihren Dülmen-Aufenthalt Ende August, um Dr. Stefan Sudmann zu kontaktieren. „Wir konnten seitens des Stadtarchivs auf eine Fülle von erfassten Pressemitteilungen zu Friedrich Kaiser hinweisen und den Schwestern die entsprechenden Fotokopien übergeben“, erklärt Dr. Sudmann. Der früheste Text stammt von 1932 und berichtet ausführlich über Priesterweihe und Primiz des aus Dülmen stammenden Herz-Jesu-Missionars. Die Schwestern zeigten sich erfreut über den hohen technischen Aufwand, mit dem die historischen Sammelbände der Dülmener Zeitung mittlerweile digitalisiert wurden.
Über 60 Interessierte hatten sich am Abend des 26. August zum 5. Spirituellen Dülmener Stadtgang eingefunden, den die FBS Dülmen in der warmen Jahreszeit einmal im Monat anbietet. Diesmal ging es zum Waldfriedhof, wo neuerdings eine Info-Tafel über den Namensgeber der „Bischof-Kaiser-Straße“ Auskunft gibt. Nach einem Gang zu den Priestergräbern des Friedhofs fand in den Räumlichkeiten der Friedhofshalle die Vorstellung einer neuer Internet-Plattform statt. Diese informiert künftig über das Leben von Bischof Friedrich Kaiser (1903-1993) sowie über das Wirken der von Bischof Kaiser 1961 ins Leben gerufenen „Missionarinnen vom lehrenden und sühnenden Heiland“. Aus ihren Reihen konnten im Rahmen des Spirituellen Stadtgangs zwei Gäste aus dem fernen Peru begrüßt werden: Während Schwester Flavia die Enthüllung der Info-Tafel vornahm, setzte Schwester Inmaculata den nötigen Mausklick, damit die neue Website online gehen konnte.
Primizbild aufgetaucht
Ein wichtiges Standbein der Dülmener Kinder- und Leprahilfe Andheri e.V. ist seit vielen Jahren die Veranstaltung von Trödelmärkten bzw. der monatliche Verkauf von gebrauchtem Hausrat in der Paul-Gerhardt-Schule. Die Erlöse kommen der Schwesterngemeinschaft „Helpers of Mary“ zugute, die sich seit vielen Jahren für die Armen in Indien und speziell in Andheri engagiert. Lepra und Hunger sind nur zwei der Probleme, die vor Ort von den Ordensschwestern bekämpft werden. Da ist jede Unterstützung willkommen, eben auch die Einnahmen durch „second-hand-Artikel“ und Trödel. Doch nicht alles findet Abnehmer und lässt sich in bare Münze umsetzen: etwa die vielen Gebets- und Andachtsbücher, die mit so manchem Nachlass in den Trödelkeller der Andheri-Hilfe gelangen. „Die Leute scheuen sich, religiöse Gegenstände wegzuschmeißen“, weiß Karl Schönhaus zu berichten, der den Trödelbestand betreut. Denn diese Dinge gehörten zum Leben der Eltern oder Großeltern, erst recht die vielen Andachtsbildchen, die sich in so manchem Gebetbuch wie dem „Schott“ oder „Laudate“ oder „Gotteslob“ angesammelt haben: Totenbildchen von Angehörigen, Andenken an die Osterkommunion oder die Volksmission, sonstige Erinnerungsbildchen. Nun hat Karl Schönhaus einen besonders bemerkenswerten Andenkenzettel gefunden: das Primizbild von Friedrich Kaiser, das anlässlich seiner Priesterweihe (am 10. August 1932 im Paderborner Dom) und seiner Heimatprimiz (am 21. August 1932 in der Dülmener Viktorkirche) gedruckt und verteilt wurde. „Uns war gar nicht bekannt, dass ein solches Andenken existiert hat“, meint Pfarrer Markus Trautmann. Das kleine Bildchen zeigt als Scherenschnitt die Aufnahme Mariens in den Himmel und einen dreizeiligen Gruß an die Gottesmutter. Der Textteil auf der anderen Seite des Gedenkbildchens beginnt mit dem Primizspruch des Neupriesters: „Christus und sein Reich!“ – Ebenfalls eindrucksvoll ist das kurze Gebet „Heiligstes Herz Jesu, ich vertraue auf dich“ mit der Anmerkung: „Letztes Gebet meiner Mutter“. Diese, Wilhelmine Kaiser geb. Depel, war 1928 verstorben.
Ende September 2016 ist es so weit: Dann erscheint ein neues „Bilderbuch für Jung und Alt“ über den Dülmener Friedrich Kaiser. Die farbenfrohen Bilder sind von der Grafikerin Bärbel Stangenberg angefertigt worden. Sie lässt uns mal über die Schulter schauen, damit man sieht, wie ein Bild entsteht. Das ausgewählte Beispiel zeigt Friedrich Kaiser als Schuljungen auf dem Weg zur Josefschule, die hinter dem Lüdinghauser Tor lag.
Wie schon angekündigt, wird im Herbst ein „Bilderbuch für Jung und Alt“ über Friedrich Kaiser auf den Büchermarkt gebracht. Schon jetzt liegt das von der Grafikerin Bärbel Stangenberg gestaltete Titelbild als Ausmalbild für Kinder vor: Es zeigt im Vordergrund den aus Dülmen stammenden Missionsbischof, im Hintergrund einen Indiojungen mit einem Lama.
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Seligsprechungsprozess des Dülmener Bischofs 2010 eröffnet
Erst sollte das Werk nur für den eigenen Gebrauch gedruckt werden, nun hat Pfarrdechant Markus Trautmann sein Buch über den Dülmener Bischof Friedrich Kaiser in einer Auflage von 600 Exemplaren veröffentlicht.
„Der Kontakt kam im Spätsommer zustande. Durch den Verlag gibt es überregionale Möglichkeiten, das Buch zu vermarkten und es über den Buchhandel zu beziehen“, erklärt Christiane Kleine vom Laumann Verlag, bei dem das Buch erscheint.
Der erste Kontakt mit dem Geistlichen, der aus Dülmen stammt und 1939 nach Peru auswanderte, stellte 2008 das Straßenschild „Bischof-Kaiser-Straße“ in Dülmen dar.
„Ich fuhr mit dem Rad von Lüdinghausen nach Dülmen, um meinen zukünftigen Arbeitsplatz zu besuchen. Da bemerkte ich das Straßenschild und forschte nach, wer die Person war“, erinnert sich Markus Trautmann. Nach einem Besuch von peruanischen Schwestern, deren Orden Kaiser in Peru gegründet hatte, intensivierte sich die Forschung über das Leben des Bischofs. „Es ist auch für die Dülmener Christen interessant. Es wäre schön, wenn wir neben Anna Katharina Emmerick bald einen zweiten seliggesprochenen Geistlichen aus Dülmen hätten“, berichtet Trautmann über Friedrich Kaiser, dessen Seligsprechungsprozess 2010 in Lima eröffnet wurde.
Vor dem eigentlichen Buch erschien ein Flyer über Bischof Friedrich Kaiser, den Markus Trautmann im letzten Jahr herausbrachte. Der 14-seitige Flyer zeigt chronologisch Informationen zu dem Leben und dem Wirken des Bischofs auf. Geboren 1903 in Dülmen, zog er 1919 nach Hiltrup. Im Jahr 1932 wurde Friedrich Kaiser zum Diakon und anschließend zum Priester geweiht. Seine Ausreise nach Südamerika tritt der Geistliche 1939 an, 1945 erlangt er die peruanische Staatsbürgerschaft.
Weihe zum Bischof in der St.-Viktor-Kirche
Nach Teilnahme am Zweiten Vatikanischen Konzils in Rom wird Friedrich Kaiser am 7. Dezember 1963 in der St.-Viktor-Kirche durch den münsteraner Bischof Dr. Joseph Höffner zum Bischof geweiht.
„Der Flyer war das Grundgerüst für das Buch, im Frühjahr 2011 habe ich konkret mit dem Buchprojekt angefangen“, so Trautmann. Die historischen Quellen fand Autor Trautmann überwiegend im Stadtarchiv, im Diözesanarchiv in Münster und bei einigen Zeitzeugen.
„Auch im Buch kommen die Zeitzeugen zu Wort. Viele Dülmener erinnern sich noch an die Bischofsweihe, vor allem bei den jüngeren Christen in Dülmen ist Bischof Kaiser aber bis auf die Straße vor dem Waldfriedhof in Vergessenheit geraten“, so Markus Trautmann.
Das Buch verweist auch auf die schweren Bedingungen in den Hochanden, unter denen aber auch Kirche funktionieren kann. „Ich würde mir etwas mehr Gelassenheit wünschen, besonders im Hinblick auf den ganzen Fusions-Trubel, da zeigt uns das Leben von Bischof Friedrich Kaiser einen Weg auf“, erläutert Markus Trautmann. Doch auch die Ecken und Kanten des „westfälischen Dickkopfs“ werden in dem Buch beleuchtet.
Die Bilder des 160 Seiten starken Buches sind Reproduktionen von Bildern des Heimatvereins und aus Missionszeitungen sowie aktuelle Bilder von den Schwestern aus Peru. Ab sofort ist das Buch „Ein Dülmener Dickkopf gibt nicht auf“ von Markus Trautmann im Buchhandel unter der ISBN 978-3-89960381-1 für 9,80 Euro erhältlich.
Bericht der Streiflichter Dülmen
Besonderer Stadtrundgang stößt auf großes Interesse
Mehr als 30 Interessierte wandelten jetzt auf den Spuren von Friedrich Kaiser. Rund 90 Minuten dauerte der „Spirituelle Stadtgang“ mit Pfarrer Markus Trautmann, zu dem die Familienbildungsstätte eingeladen hatte.
Am Rathaus wurde beispielsweise die heute noch erhaltene Geburtsurkunde Friedrich Kaisers vorgestellt, unterzeichnet am 27. Mai 1903 vom damaligen Standesbeamten Heiming. Der Beruf des Vaters wird darin als „Tischlergehülfe“ angegeben. Eine weitere wichtige Station im Leben von Friedrich Kaiser war die St.-Viktor-Kirche, wo er getauft und gefirmt wurde. Trautmann stellte auch einen Zeitungsbericht über eine feierliche Liturgie mit Friedrich Kaiser in St. Viktor im Jahr 1961 vor: „So war der feierliche Gottesdienst für Dülmen ein seit dem tausendjährigen Bestehen der Gemeinde noch nicht erlebtes festliches Ereignis, das fast anderthalbtausend Gläubige jeden Alters und Standes in die Viktorkirche zog.“ Am Sterbehaus der Emmerick erfuhren die Exkursionsteilnehmer von der innigen Verehrung der 2004 Seliggesprochenen durch Friedrich Kaiser. Eine weitere Station war etwa auch das Elternhaus von Friedrich Kaiser.
Zum Abschluss des Rundgangs wurden Spenden gesammelt für die von Bischof Kaiser gegründete Schwesterngemeinschaft von Caravelí.
Die Grafikerin Bärbel Stangenberg aus dem niederrheinischen Wachtendonk arbeitet aktuell an einem Bilderbuch über Friedrich Kaiser. Dieser, 1903 in Dülmen geboren und 1993 in Lima gestorben, wanderte 1939 nach Peru aus und wirkte ab 1958 als Seelsorger bei den Indios in den Hochanden. Bärbel Stangenberg ist in Dülmen keine Unbekannte, schuf sie doch vor zwei Jahren das Werk „Anna Katharina Emmerick. Ein Bilderbuch für Jung und Alt“.
Auch das neue Buch wird einen Umfang von 40 Seiten und ein Format von zwölf mal zwölf Zentimeter haben. Es soll einen Leserkreis in ganz Deutschland erreichen, um Friedrich Kaiser im Zugehen auf dessen Seligsprechung bekannter zu machen.
„Eine besondere Herausforderung ist die Recherche von historischen Details, um dann die Bildmotive authentisch und spannend zu gestalten“, erläutert die Zeichnerin. Wie waren Kinder vor dem Ersten Weltkrieg gekleidet? Welche Szene fasst gut den Alltag in einem Indio-Dorf zusammen? Durch die farbenfrohen Grafiken soll die von Markus Trautmann erzählte Lebensgeschichte Friedrich Kaisers anschaulich werden.
Friedrich Kaiser selbst hatte ein relativ markantes Aussehen: Hohe Stirn, schmaler Mund, ernster Blick, Brille - das sind einige seiner typischen Merkmale. „In der Regel arbeite ich im Format A4, die Bilder werden dann für die Drucklegung stark verkleinert“, erläutert Bärbel Stangeberg.
Layout und Entwicklung begleitender Themenkästen wird, wie schon beim Emmerick-Büchlein, wieder die Dülmenerin Christiane Daldrup vornehmen. Das Werk soll zum 3. Oktober vorliegen. Denn dann besuchen peruanische Schwestern der von Friedrich Kaiser 1961 gegründeten Ordensgemeinschaft Dülmen und stellen ihre Arbeit an einem Stand auf dem Bürgerfest vor.
Es war wie ein Ausflug in eine fremde Welt: Mit zahlreichen Bildern entführte Dr. Ricardo Garcia am Mittwochabend, 18. Mai 2016, in der Familienbildungsstätte Dülmen die Zuhörer in die Lebenswirklichkeit der peruanischen Anden. Hier wirkt er als Bischof in Yauyos Canete, einem seelsorglichen Sprengel, der sich von der Pazifikküste bis hinauf ins Hochgebirge der Anden zieht. Besonders eindrucksvoll waren die Schilderungen von den Zerstörungen und den Wiederaufbaumaßnahmen nach dem schweren Erdbeben von 2007.
Auch die von dem Dülmener Friedrich Kaiser 1961 ins Leben gerufene Schwesterngemeinschaft vom lehrenden und sühnenden Heiland wirkt in seinen Pfarreien. „Die Schwestern sind in vielen Ländern Lateinamerikas verbreitet“, berichtete Garcia. „Und wo sie hinkommen, verbreitet sich die Verehrung von Friedrich Kaiser.“
Er selbst habe jüngst, im Zugehen auf Kaisers Seligsprechung, eine offizielle Stellungnahme abgegeben. „Ich habe die guten Früchte gewürdigt, die von der pastoralen Arbeit der Schwestern ausgeht“, so der Bischof. Und er fügte augenzwinkernd hinzu: „Die Schwestern verbinden deutsche Ordnung und peruanische Warmherzigkeit.“ Das sei ein Teil ihres Charismas, für das die Menschen sie schätzen.
Es ist wohl die prominenteste Zufahrtsstraße in Dülmen: Die Rede ist von der Bischof-Kaiser-Straße, denn sie führt zum Dülmener Waldfriedhof. Seit 1975 erinnert der Straßenname an den berühmten Sohn der Stadt, Friedrich Kaiser (1903–1993), der als Missionsbischof in Südamerika wirkte.
Es war von Kindheit an sein Traum, Missionar zu werden. Und so besuchte er ab 1919 das Gymnasium der Herz-Jesu-Missionare in Münster Hiltrup, um hier das Abitur zu machen. Nach dem Eintritt in den Orden folgte die Zeit des Noviziats und des Studiums.
1932 wurde Kaiser im Dom zu Paderborn zum Priester geweiht. Doch noch musste die Erfüllung seines Traums, die Ausreise nach Übersee, warten. Erst als die Konflikte zwischen den Hiltruper Missionaren und den Nazis zunahmen, schickte der Orden vermehrt seine Patres außer Landes.
Vor nunmehr 75 Jahren, am 26. März 1939, dem Hochfest des hl. Liudger, konnte Friedrich Kaiser die Überfahrt über den Atlantik, durch den Panamakanal und entlang der Pazifikküste Südamerikas nach Peru antreten.
Zunächst wirkte er in Lima, später bei den Indios in der Prälatur von Caravelí in den Anden.
Während eines Heimaturlaubs wurde Friedrich Kaiser 1963 durch Bischof Josef Höffner in der Dülmener Viktorkirche zum Bischof geweiht.
Bis heute werden von Dülmen aus Kontakte zu der von Kaiser 1961 ins Leben gerufenen Gemeinschaft von Seelsorgeschwestern gepflegt.
Seit 2010 läuft in Peru das Seligsprechungsverfahren für Friedrich Kaiser.
Artikel aus dem Viktorboten (Informationsblatt der Kirchengemeinde St. Viktor in Dülmen), Ausgabe 1, Dezember 2013
Seligsprechungsverfahren für aus Dülmen gebürtigen Missionar gestartet
Heute vor 80 Jahren, am 15. August 1932, feierte der aus Dülmen stammende Missionar Friedrich Kaiser seine erste heilige Messe (lateinisch „prima missa“ / Primiz) in St. Viktor. Die „Heimatprimiz“ eines Neupriesters ist traditionell ein großes Ereignis für die Gläubigen, wie auch die Dülmener Zeitung in ihrem Bericht betonte: „Die Pfarrgemeinde Dülmen hat durch die überaus große und rege Teilnahme sich selbst geehrt. Herrlich war die ganze Feier. Vom Turm der Kirche wehten die Fahnen. Die Nachbarhäuser der Wohnung des Neupriesters hatten festlichen Schmuck angelegt. Das Straßenbild bekam ein gar prächtiges Aussehen durch die Anbringung schöner Triumph- und Ehrenbogen aus Tannengrün. Auch die Anwohner der Münsterstraße, des Bült und Kirchplatzes, durch welche der Pater morgens von der Dechanei aus zur Kirche geleitet und nach dem Festhochamt zurückgebracht wurde, hatten ihre Häuser beflaggt. Eine große Zahl Gläubiger bildete in den Straßen Spalier.“
Die Eheleute Karl und Hildegard Alfs aus der Tiberstraße stellten in diesen Tagen das Foto zur Verfügung, das Friedrich Kaiser am 15. August 1932 vor seinem Elternhaus (heute ungefähr Tiberstraße 48) zeigt. Damals hieß der Abschnitt noch „Markusstraße“. Die Mutter von Hildegard Alfs war als Nachbarin – damals noch als Maria Luttermann – bei den Vorbereitungen der Primizfeier und beim Schmücken des Hauseingangs beteiligt. „Diesem Hause ist heute Heil wiederfahren“ – so liest man auf dem Schild im geschmückten Torbogen.
Friedrich Kaiser war 1903 als das mittlere von fünf Kindern der Eheleute Josef Kaiser (1867-1938) und Wilhelmine geborene Depel (1872-1928) geboren worden. Am 27. Mai erfolgte die Taufe auf den Namen Friedrich August in St. Viktor.
Nach dem Abitur in Münster-Hiltrup schloss sich Kaiser der Gemeinschaft der „Hiltruper Missionare“ an und ging 1939 nach Peru. Er wirkte zunächst in der Pfarrseelsorge in Lima, dann als Missionar in den Anden. Hier gründete er 1961 eine Gemeinschaft von einheimischen Seelsorgeschwestern. 1963 empfing Kaiser während eines Heimaturlaubs in der Dülmener Viktorkirche die Bischofsweihe durch den damaligen münsterschen Bischof Josef Höffner.
Bestattung 1993 in den Anden
Friedrich Kaiser starb neunzigjährig 1993 und wurde in Caravelì in den Anden begraben. In Dülmen erinnert schon seit 1975 die „Bischof-Kaiser-Straße“ an den berühmten Sohn der Stadt, dessen Seligsprechungsverfahren vor kurzem in Lima eröffnet wurde.
Alle paar Jahre kommen Schwestern der von Kaiser gegründeten Ordensgemeinschaft nach Dülmen, wo sie über ihre Arbeit berichten und um Unterstützung bitten.
2. Oktober Peruanischer Abend in der Marienschule
Ein solcher Besuch findet auch in diesem Jahr statt. Er bildet den Hintergrund für eine besondere Veranstaltung am Dienstag, 2. Oktober, in der Aula der Marienschule Dülmen. Dort findet dann ein „Peruanischer Abend“ mit kulinarischen, musikalischen und informativen „Happen“ statt. Am folgenden Tag, dem Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober), wird ein Info-Stand auf dem Bürgerfest zu finden sein, wo auch Schwestern aus Peru zum Gespräch bereitstehen.
Bericht aus den Streifichtern
Am 26. März 2015 hat der Erzbischof der Erzdiözese Lima, Kardinal Juan Luis Cipriani Thorne, die Gläubigen offiziell darüber informiert, dass für Friedrich Kaiser ein Seligsprechungsverfahren geführt wird. Die Gläubigen (im In- und Ausland) werden gebeten, Belege und Hinweise beizusteuern, die für (oder gegen!) den vorbildlichen Lebenswandel des „Dieners Gottes“ Friedrich Kaiser sprechen. – Der 26. März ist ein bedeutsames Datum: Am 26. März 809 verstarb der hl. Liudger, Gründerbischof des Bistums Münster. Am 26. März 1939 trat Friedrich Kaiser die Schiffsreise nach Peru an.
Informationsschreiben von Kardinal Juan Luis Ciproani Thorne >
Der "Missionsbischof" Friedrich Kaiser aus Dülmen
Der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind." So schrieb Papst Paul VI. im Jahr 1975. Die "Zeugen" können "zeigen", dass die Botschaft des Evangeliums eine Relevanz für das Leben hat. Sie "biographisieren" quasi den Glauben, der sonst womöglich nur Theorie und unkonkret bliebe. Sie geben dem Glauben ein Gesicht.
1975, als Paul VI. die oben zitierten Worte formulierte, wurde in Dülmen eine Straße nach einem damals allseits bekannten Sohn der Stadt benannt: nach Friedrich Kaiser, Missionsbischof der Hiltruper Missionare im fernen Peru. Ungewöhnlich, eine Straße nach einem Lebenden zu benennen. 1993 starb Friedrich Kaiser 90-jährig.
Doch schon bald könnte er neu ins Bewusstsein nicht nur der Dülmener Katholiken gelangen, wurde doch im vergangenen Jahr der Seligsprechungsprozess auf Bistumsebene in der Erzdiözese Lima eröffnet. Missionar? Seligsprechung? Mancher fühlt sich allein durch die Begriffe irritiert.
Zu sehr haben wir uns als Kirche eingerichtet in den Rückzug, in das freudlose oder gar ängstliche Verharren. Mancher beargwöhnt Seligsprechungen reflexartig als "Ablenkungsmanöver" angesichts heutiger Probleme. Vielleicht kann aber die Auseinandersetzung mit Friedrich Kaiser gerade in dessen heimatlichen Gefilden zu einer neuen Glaubensbegeisterung verhelfen – also zu einer Offenheit für jenen Geist, der am Pfingsttag verrammelte Türen sprengt und die kleine verängstigte Jüngergemeinde in die Vielfalt und Weite der Sprachen und Nationen hineinführt. Diese Zuversicht verkörperte Friedrich Kaiser in seinem Lebenswerk.
Zunächst deutete nichts auf sein späteres Wirken hin. Friedrich Kaiser wurde am 24. Mai 1903 als das mittlere von insgesamt fünf Kindern des Schreiners Josef Kaiser und seiner Ehefrau Wilhelmine geborene Depel in der Tiberstraße in Dülmen geboren. Die Taufe erfolgte am 27. Mai in St. Viktor. Nach dem Besuch der Volksschule (ab 1910) verbrachte er die Monate nach der Schulentlassung bis zum Jahresende 1918 als Bürokraft einer ortsansässigen Eisenhütte.
Anfang 1919 begab sich Kaiser nach Hiltrup bei Münster, um das dortige Gymnasium der Herz-Jesu-Missionare zu besuchen. Krankheitsbedingt muss er die Gymnasialzeit zweimal unterbrechen, so dass erst 1926 der Eintritt ins Noviziat des Ordens erfolgte. 1932 wurde Friedrich Kaiser im Paderborner Dom zum Diakon (20. März) sowie zum Priester (10. August) geweiht.
Seine weitere Verwendung blieb zunächst unklar. In der Primizpredigt betonte der Dülmener Pfarrdechant Knepper, wenn irgendwann der Ruf an den Neupriester erginge, "ins Heidenland zu ziehen, um dort zu arbeiten und zu wirken", werde er gern die Opfer und Mühen auf sich nehmen, "folgend dem Befehl Christi: Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker".
Ruf aus den Bergen
Am 26. März 1939 war es so weit, Friedrich Kaiser trat die Ausreise nach Südamerika an. 1945 erwarb er die peruanische Staatsbürgerschaft. "Die Missionsarbeiten auf dem Lande waren mir eine Freude, gewiss. Aber die Erfüllung meiner Sehnsucht waren sie nicht", resümierte Kaiser später. "In meinem Innern rief auch weiterhin diese Stimme, ertönte immerzu dieser Ruf aus den Bergen. So blieb es die 18 Jahre hindurch, die ich in Lima verbrachte."
Im Bischofswappen von Friedrich Kaiser befinden sich das Kreuz der Herz-Jesu-Missionare, die Bibel sowie ein Kelch.
1957 wurde der Traum wahr, und Kaiser konnte in ein "richtiges" pastorales Notstandsgebiet wechseln. Er wurde Leiter der neu gegründeten Prälatur Caravelì in den Anden, ausgestattet mit den administrativen Vollmachten eines Bischofs. "So war ich nun verantwortlich für ein Missionsgebiet etwa so groß wie das Land Nordrhein-Westfalen. Aber ohne seine Wege. Dort wirkten etwa zehn Priester. Es gab nicht eine einzige Ordensfrau. Hier also war ich bei den Verlassensten."
Eine Zeitlang versuchte Friedrich Kaiser, Ordensschwestern, etwa aus Europa, in seinem Missionssprengel anzusiedeln. Ohne Erfolg. "Denn ich sagte glatt heraus, dass die Schwestern an solchen Stellen ohne Messe leben würden, genau wie die Eingeborenen, dass die Schwestern vielmehr den Priester ersetzen müssten, soweit das eben möglich sei. Da erschraken alle Schwestern, die ich einlud. Das wollten sie alle nicht."
Aus diesen Erfahrungen zog Kaiser für sich den Schluss, dass er dann eben eine eigene Schwesterngemeinschaft gründen werde, und zwar ausschließlich für einheimische Frauen. Gemeinsam mit der Hiltruper Missionsschwester Willibrordis Bonefeld rief er am 20. Juni 1961 die "Gemeinschaft vom lehrenden und sühnenden Heiland" ("Misioneras de Jesús Verbo y Victima") ins Leben. 1971 erfolgte die Anerkennung als Diözesankongregation, 1982 die Umwandlung in eine Kongregation päpstlichen Rechts.
Bis heute wirken die Schwestern von Caravelì ausschließlich bei den Verlassensten und Ärmsten, die keinen Priester haben, wo es keinen Arzt und keine Apotheke gibt, nicht einmal eine Hebamme. Ihr Idealismus zieht sie in die "entlegensten und schwerst zugänglichen Gegenden, die praktisch als pastorales Niemandsland und soziales Notstandsgebiet gelten müssen", schrieb Kaiser 1988 in seinem Buch "Der Ruf aus den Anden". "Niederlassungen an der Küste oder in den größeren Städten im Innern des Landes lehnen die Schwestern ab." In dem erwähnten Buch umriss Kaiser das Aufgabenfeld "seiner" Schwestern:
Umfangreiche Aufgaben
"Sie lehren und taufen, feiern Wort- und Kommuniongottesdienste, predigen, reichen die Heilige Kommunion, sorgen für sakramentale Eheschließungen, stehen Kranken und Sterbenden bei, leiten die Begräbnisse, bilden Katechisten aus und fördern deren Arbeit, führen die Pfarrbücher, arbeiten als Krankenschwestern, wirken in der Geburtshilfe und im Mutter- und Kinddienst, betätigen sich als Zahn-Ärztinnen, walten als Haushaltslehrerinnen, erteilen Mädchen und Frauen Kochunterricht, geben Zuschneide- und Nähkurse."
1963 erfolgte die Ernennung Friedrich Kaisers zum Titularbischof von Beröa. Kaiser, der an sämtlichen Sessionen des Zweiten Vatikanischen Konzils in Rom teilnahm, begab sich in das heimatliche Dülmen. Hier fand am 7. Dezember 1963 in St. Viktor die Bischofsweihe statt, Hauptkonsekrator war der Münsteraner Bischof Joseph Höffner. Da die beiden Mitkonsekratoren Bischöfe aus Peru bzw. der Südsee waren, betonte Höffner in seiner Predigt die "Parallele zum Ökumenischen Konzil, als er von der weltweiten Kapazität der katholischen Kirche sprach", schrieb die Dülmener Zeitung.
In Anlehnung an die von Kaiser gegründeten "Misioneras" wählte er nun als Bischofsmotto "Verbum et Victima". Das bischöfliche Wappen (siehe links unten) wird geziert von einem Buch (die Bibel) und einem Kelch (Symbol für die Eucharistie). Wie zwei Brennpunkte einer Ellipse stehen die Grundgedanken "Wort" und "Opfer" zueinander, zumal sich das Konzil intensiv um neue Zugänge zur Heiligen Schrift und zur Erneuerung der Messfeier mühte. In etwas freierer Übersetzung lässt sich die spirituelle Tiefe des Bischofsmottos erahnen: Verkündigung und Hingabe; Zuspruch und Handeln; Ermunterung und Leidenschaft; oder einfach: Rat und Tat.
1971 gab Bischof Kaiser die Leitung der Prälatur Caravelì ab und widmete sich fortan dem Aufbau der Schwesterngemeinschaft. Aus ihren Reihen wurde schon bald nach Kaisers Tod (1993) der Wunsch geäußert, das Wirken dieses Glaubenszeugen in Form eines Seligsprechungsverfahrens zu würdigen.
Kluge, weise Ratschläge
"Ein heiliger Priester warst du", sagte am Tag der Beisetzung die stellvertretende Bürgermeisterin von Caravelì. "Die Tränen, die wir heute weinen, sind wenige im Vergleich zu der Hingabe, die du uns schenktest. Du hattest die Gabe, ganz tief in unseren Herzen anzukommen, weil wir bei dir Verständnis fanden. Klug und weise waren deine Ratschläge, gerecht deine Handlungsweise."
2003 erfolgte die Umbettung Kaisers vom Friedhof in das Mutterhaus der Schwesterngemeinschaft. Im Januar und Februar 2011 absolvierte Schwester Immaculata, eine peruanische Schwester der von Kaiser gegründeten Gemeinschaft, in Rom den Ausbildungskurs zur Vizepostulatorin. Im Auftrag des Erzbischofs von Lima wird sie den Seligsprechungsprozess künftig leiten.
Alle paar Jahre kommt sie zusammen mit einer Mitschwester nach Europa, berichtet von ihrer Arbeit und kollektiert für ihre Aufgaben in Peru. Auch in Dülmen ist sie regelmäßig zu Gast. Übrigens war Friedrich Kaiser bis ins hohe Alter sehr heimatverbunden. "Seinen Schwestern beschreibt er das Münsterland stets als einen riesigen Park, wobei er die Borkenberge und den Wildpark des Herzogs von Croy immer herausgehoben hat", zitierte die Dülmener Zeitung 1987 Schwester Willibrordis. Die Kirchengemeinde St. Viktor hat kürzlich ein informatives Leporello über Kaiser herausgebracht, das im Internet unter www.st-viktor-duelmen.de abrufbar ist.
Worin liegt die eingangs umrissene Rolle eines "Zeugen" mit Blick auf Friedrich Kaiser? Eine vorschnelle Vereinnahmung wäre genauso fatal wie die unreflektierte Distanzierung. Einige Aspekte seien dennoch genannt:
Perspektive der Weite
Während wir hierzulande in einer Situation leben, in der nicht wenige Gläubige wie gelähmt auf die Lage der Kirche starren, macht uns Friedrich Kaiser die Weltweite der Kirche bewusst und will auch unsere persönliche Perspektive an der Weite ausrichten.
Während wir uns um die finanziellen und personellen Möglichkeiten unserer kirchlichen Einrichtungen sorgen, schildert uns Friedrich Kaiser eine Kirchengestalt in großer Anspruchslosigkeit und mit einem hohen Improvisationsvermögen.
Während wir um Gemeindestrukturen und Pfarrgrenzen streiten und um Kooperationen und Fusionen von Pfarreien ringen, begeistert Friedrich Kaiser eine Gemeinschaft von Frauen, die tagelang zu Pferd unterwegs sind, um entlegene Ortschaften zu erreichen, in denen schon lange kein Priester mehr war.
Während wir an Statistiken und Erfolgskurven den dramatischen Einbruch der "Volkskirche" und der "versorgten Gemeinde" beobachten, ermuntert Friedrich Kaiser zum persönlichen Aufbruch und zu einer ernst gemeinten Hingabe für das Reich Gottes. Oder etwas provokant: Während bei uns stets auf die "Überschaubarkeit" und "Vertrautheit" der "gewachsenen Strukturen" von Pfarreien gepocht wird, will Friedrich Kaiser neugierig machen auf die Weite, auf den Aufbruch und auf die wirkliche Vitalität des Reichs Gottes.
Text: Pfarrer Markus Trautmann
















