»Ganz tief in unseren Herzen angekommen«

Beitrag aus dem Viktorboten 15, Pfarrbrief der Katholischen Kirchengemeinde St. Viktor

Vor 25 Jahren starb Friedrich Kaiser 

BeisetzungIn diesem Jahr, nämlich am 26. September, jährt sich zum 25. Mal der Todestag von Bischof Friedrich Kaiser. Schwester Willibrordis, seine langjährige Wegbegleiterin und Mitgründerin der „Misioneras de Jesus Verbo et Victima“, hielt die letzten Stunden des Hochbetagten in einem Gedächtnisprotokoll fest.

Am Nachmittag des Samstags, 25. September 1993, konnte der 90jährige Bischof plötzlich seine Beine nicht mehr bewegen. „Mir schien die Sache sehr ernst, vor allem wegen seiner Kurzatmung. Ich hatte den Eindruck: Seine Stunde ist da, es geht zum Sterben. Es selbst sagte: Die Schwestern mögen zur Kapelle gehen. … Unvergesslich wird uns die Nacht vom Samstag auf den Sonntag sein. Wir, die bei ihm wachten, beteten mit lauter Stimme. In den Pausen betete unser kranker Vater mit kräftiger Stimme ein Stoßgebet oder eine Bibelstelle, z.B. ‚Gott ist die Liebe‘, ‚Mein Gott, ich liebe Dich‘. Öfters wiederholte er: ‚Es lebe Christus König.‘ Das Wort König betonte er stark. Wir wiederholten seinen Ausruf im Chor mit der gleichen Betonung. 

Gegen 5.00 Uhr wurde er unruhig. Er wolle unbedingt die heilige Messe feiern. ‚Die heilige Messe, die heilige Messe‘ sagte er – und: ‚Ich muss doch meine Tagesordnung einhalten.‘ Später stellten wir seinen Messkelch von ihn hin, den er seit der Primiz – mit wenigen Ausnahmen wegen Krankheit – täglich benutzt hatte. Der Kranke berührte ihn ehrfürchtig. Danach reichte ich ihm die hl. Kommunion. 

Wegen der ungünstigen Witterung in Lima konnte das Flugzeug erst um 11.00 Uhr in Caravelí landen. Die Frage des Arztes, ob er bereit sei nach Lima in die Klinik zu reisen, beantwortete er mit Staunen und Schweigen, ließ aber dann alles mit sich geschehen. Er hatte mir mal vor Jahren gesagt, man möchte ihn nicht mehr nach Lima transportieren, wenn er krank würde. ‚Ich habe das Alter zum Sterben und hier möchte ich sterben.‘

Um 15.30 Uhr landeten wir in Lima, um 16.30 Uhr in der Klinik. In der Intensivstation konnte ich erst gegen 18.00 Uhr zu ihm kommen und nur für einige Minuten. 

Wegen der Sauerstoffmaske konnte ich seine letzten Worte nicht mehr verstehen. Leider wusste ich nicht, dass die Ärzte im Operationssaal auf ihn warteten. Ich glaubte, die Operation sei später und gab dem Drängen der Schwestern nach, mich zurückzuziehen. Vier Schwestern blieben in der Klinik.

Um 20.00 Uhr kam freudevoll unser Arzt zu den vier Schwestern mit der guten Nachricht, alles sei gut verlaufen, seine Beine haben wieder Leben. Sie seien warm und beweglich. Es sei ‚nur‘ noch eine zweite Intervention nötig. Eine andere Arterie sei noch verstopft, die den Darm lahm legte. Diesen zweiten Eingriff hat das Herz nicht überstanden. Um 20.45 Uhr stand es still.“

Am Donnerstag, dem 30. September erfolgte die Beisetzung von Bischof Kaiser in Caravelí. Am Grabe sprach damals die stellvertretende Bürgermeisterin des Ortes die folgenden eindrucksvollen Worte:

„Ein heiliger Priester warst Du! Deine Worte waren Worte des Trostes und der Verzeihung. Deine karitativen Hände ermüdeten nie, Gutes zu tun. … Die Tränen, die wir heute weinen, sind wenige im Vergleich zu der Hingabe, die Du uns schenktest. Vielleicht erkennen wir nicht die unzähligen, kostbaren Wohltaten, die Deine Prälatur, insbesondere Dein Caravelí, erfahren hat. … Du hattest die Gabe, ganz tief in unseren Herzen anzukommen, weil wir bei Dir Verständnis fanden. Klug und weise waren Deine Ratschläge, gerecht Deine Handlungsweise. … Deine Geistesbildung, Dein zugängliches Wesen, Deine ansteckende Freude vermochte die von Dir gegründete Kongregation vom lehrenden und sühnenden Heiland in verschiedenen Diözesen Perus und Lateinamerikas auszubreiten. Mit überströmender Freude mögen Dich alle Engel und Heiligen zum Throne Gottes führen, wo Du Anteil haben wirst an der Herrlichkeit Gottes. … Unser Bruder Monsignore Bischof Kaiser ruhe in Frieden!“

 

Ruf aus den Anden

Fast überall gutgesinnte, unwissende, 'verheidete' Leute. Und allerorts das Bitten, das Flehen, der Ruf: "Wir möchten einen Priester!"