Bischof Bernhard Kühnel besucht Dülmen

Bericht vom 23. Januar 2019

Bischof Kühnel zu Besuch bei Pfarrer TrautmannObwohl bereits 91 Jahre alt, begibt sich Bernhard Kühnel regelmäßig im fernen Peru auf Reisen und besucht das Münsterland. In Ascheberg leben seine Familienangehörigen, in Hiltrup liegt die Zentrale seines Ordens. Bernhard Kühnel, 1927 in Oberschlesien geboren, gelangte nach Krieg und Gefangenschaft hierher, wurde „Herz-Jesu-Missionar“, 1955 zum Priester geweiht und 1960 nach Südamerika gesandt. Ab 1966 wirkte er in Caraveli in den Hochanden an der Seite des aus Dülmen stammenden Missionsbischofs Friedrich Kaiser. 1972 wurde er dessen Nachfolger. 2007 wurde er als Bischof emeritiert, blieb aber weiter in der Pfarrseelsorge aktiv und wirkt heute als Seelsorger bei den Schwestern der von Kaiser gegründeten Ordensgemeinschaft.

Am 22. Januar 2019 war Kühnel zu Besuch in Dülmen, wo er Pfarrer Markus Trautmann einen Besuch abstattete. „Bischof Kühnel ist ein Zeitzeuge der ganz besonderen Art, wenn man die Kenntnisse über Kaiser erweitern möchte“, findet Trautmann. Die Beziehung zwischen Kaiser und Kühnel, zwischen Vorgänger und Nachfolger in der Leitung der Prälatur von Caraveli, war zweifellos wechselhaft und herausfordernd – um es gelinde zu formulieren. So veranlasste Kühnel eine Visitation der von Kaiser gegründeten Niederlassungen von Seelsorgeschwestern. Um die mitunter angespannte Beziehung zwischen den „Herz-Jesu-Missionaren“ und den „Schwestern vom lehrenden und sühnenden Heiland“ zu beruhigen, zog Kaiser am Ende fast sämtliche Ordenskonvente aus dem Sprengel von Caraveli ab – wodurch sich die Gemeinschaft der Seelsorgeschwestern in ganz Südamerika ausbreitete. Auch die Verehrung Kaisers ist heute entsprechen weit gestreut. 

Bei der offiziellen Eröffnung des vatikanischen Seligsprechungsverfahrens in Lima im September 2018 war auch Bernhard Kühnel zugegen. Insgesamt kann Kühnel seinem Vorgänger nur Respekt zollen: „Kaiser war in seinem Handeln mutig und konsequent, er hat viel gewagt“, so sein Urteil. „Vielleicht geht es nicht anders, als dass Menschen mit großen Ideen eine gewisse Kompromisslosigkeit an den Tag legen“, ergänzt er. Denn tatsächlich hat sich Kaiser, der „Dülmener Dickkopf“, mit seinen pastoralen Ideen und Initiativen nicht nur Freunde geschaffen. „Aber beliebt zu sein ist ja nicht unbedingt das hauptsächliche Merkmal für eine Seligsprechung“, meint der Altbischof feinsinnig. 

Ruf aus den Anden

Ja, hier ist Hunger nach Gott. Darum der Ruf, der Schrei aus den Bergen – der Schrei nach einem Priester.