„Heimat“ – aktuell und zeitlos zugleich

Bericht vom 5. November 2017

Bischof Friedrich Kaiser blieb Dülmen verbunden

BriefeDer Begriff „Heimat“ ist populär wie lange nicht mehr. In Nordrhein-Westfalen gibt es neuerdings ein „Heimat-Ministerium“; Ähnliches ist auch in anderen Bundesländern bzw. auf Bundesebene geplant. Der Heimat verbunden sein, das kann man auch, wenn man irgendwo in der weiten Welt lebt. Ein gutes Beispiel für ein solches heimatliches Bewusstsein war Bischof Friedrich Kaiser – in seinem Fall: in fernen Peru.

„Trotz des langen Aufenthaltes im fernen Peru ist Bischof Kaiser jedoch ein Dülmener mit Leib und Seele geblieben.“ Mit dieser Aussage schmeichelte die Hiltruper Missionsschwester Willibrordis Bonefeld (1907-2002) ihre Zuhörer in der Dülmener Pfarrkirche Heilig Kreuz. Ende August 1987 war sie mit drei weiteren südamerikanischen Ordensfrauen zu Gast in Dülmen, um von der Arbeit und dem Wirken des mittlerweile hochbetagten Friedrich Kaiser zu berichten. „Wenn er etwas von Dülmen hört, so ist das seine größte Freude“, meinte Schwester Willibrordis und fügte hinzu: „Das ist ein echter Dülmener.“ Nach ihren Aussagen sei der Bischof sehr heimatverbunden und lese sogar regelmäßig die Dülmener Heimatblätter, so ein Bericht in der „Dülmener Zeitung“.

Erik Potthoff, seit vielen Jahren Vorsitzender des Dülmener Heimatvereins, kann das bestätigen. Im Archiv des Vereins entdeckte er jüngst zwei Briefe des Dülmener Missionsbischofs, nämlich vom 14. März 1985 und vom 15. Oktober 1986. 

In dem Schreiben vom 14. März 1985 dankt der Bischof dem Heimatverein „für das Alt-Dülmen, das Sie mir zu Weihnachten sandten und das mich gestern hier in meinen Anden erreichte.“ Gemeint sei die aktuelle Ausgabe einer Jahreskalender-Serie der Stadtsparkasse Dülmen unter dem Titel „So war’s früher“, erläutert Potthoff.  „Neben alten Ansichtskarten und historischen Fotografien kamen auf die zwölf Monatsblätter einmal auch zwölf Holzschnitte mit Dülmener Motiven vom bekannten Holzschnitzer Heinrich Everz.“ Kaiser war begeistert: „Ein wundervolles Werk! Wirklich, so war’s früher!“ Und weiter: „Die Linien der ruhigen, klaren Holzschnitte ziehen nun meine Gedächtnislinien nach und vertiefen und kräftigen sie.“ Und er fügte noch hinzu: „Zugleich Dank, vielmals Dank für Heimatblätter!“

Anderthalb Jahre später, am 15. Oktober 1986, ließ Friedrich Kaiser den Dülmener Heimatverein wissen: „Das Paket mit den beiden Bildbänden und weiterem reichlichem Material über unser Dülmen ist in sehr gutem Zustand hier angekommen.“ Die Rede ist von dem von Heinz Brathe herausgegebenen Werk „Dülmen. Von der Bauerschaft zum zentralen Ort. Beiträge zur Geschichte der Stadt.“ Bischof Kaiser: „Ich habe schon einige heimatliche Stunden damit verbracht, alles durchgesehen und bereits manches gelesen. … Unglaublich und wirklich bewundernswert ist das. … Nochmals danke ich Ihnen sehr für Ihre Aufmerksamkeit. Selbst an die neueste Nummer der ‚Dülmener Heimatblätter‘ haben Sie gedacht. Das ist für mich immer kostbare Lektüre.“

pdf button Download Brief vom 14. März 1985
pdf button Download Brief vom 15. Oktober 1986

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